Ob man aus der Geschichte lernen könne, fragt Franz Josef Strauß in der ZEIT. Seine Antwort: Die Geschichte gebe keine Rezepte (weil sie sich nicht wiederholt), aber sie lehre Verhaltensweisen.

Das wäre schön, und die Jüngeren glauben das auch wohl. Wir Älteren aber müssen mitansehen, daß die Zerstörung unserer Welt durch Hitler uns nichts gelehrt hat. Unbestritten ist: Hitler war, mindestens bis 1938, leicht zu stoppen. Furcht und Eigennutz haben gemeinsame und deshalb wirksame Maßnahmen der demokratischen Länder verhindert.

Als Mussolini Abessinien überfiel, wurde er vom Völkerbund verurteilt. Auch Sanktionen wurden beschlossen. Aber der Suezkanal blieb offen für Material und Truppen, die Italien gegen Abessinien schickte. Ein paar Kriegsschiffe und die Bereitschaft, Mussolinis Truppentransporte in den Grund zu schießen, wären ihm eine klare Lehre gewesen – ihm und Hitler.

Heute brennt es in Nahost zwischen Israelis und Arabern; in Nordafrika zwischen Marokkanern und Algeriern und Saharauis, zwischen Libyen und Tunesien; noch immer zwischen Nord- und Südjemen. Wenn sie könnten, wären die Frontstaaten längst über Südafrika hergefallen. Zehntausend Kubaner, von Moskau bezahlt, heizen jede Krise an. Lauter Einzelkriege? Morgen können sie ein großer Krieg sein.

Einen Krieg aber haben wir uns selbst zuzuschreiben: den Krieg der Ölländer gegen unsere Wirtschaft. Er ist lautlos und unblutige, Er wird 1980 die Bundesrepublik, eine starke Wirtschaftsnation, um Devisen im Wert von 20 Milliarden bringen – ein Viertel unserer Devisenreserven. Franzosen, Italiener, Japaner, Beneluxländer und die nordischen Staaten leiden genauso, noch mehr die Vereinigten Staaten. Die Kunden unserer Wirtschaft in aller Welt bluten aus. Die Ölländer bauen gewaltige, vagabundierende Vermögen auf. Währungen werden zerstört, der Dollar herauf- und heruntergejagt.

Wieder war uns die Geschichte keine Lehre. Als 1973 die Ölländer die Lieferungen sperrten, ging ein Schock durch die Welt. Wir schworen uns alle: Wir werden weniger Öl verbrauchen – das ohnehin bald zu Ende geht. Wir haben mehr verbraucht: schlagen uns um jede Tonne; treiben die Preise höher noch als die (gar nicht so wenigen) verantwortlich denkenden Ölländer wünschen, pressen die Saudis gar, mehr Öl aus der Erde zu holen, als sie möchten. So stellen die Saudis Bedingungen: Sie verlangen hohe Preise und verbieten Amerika, seine Reserven aufzubauen. Statt der durch US-Gesetz für den Notfall vorgeschriebenen 1000 Millionen Tonnen Öl haben die Amerikaner so nur 90 Millionen Tonnen eingelagert.

Schuldig sind wir alle. Die Amerikaner haben besonders gefehlt. Die Hälfte ihres Ölverbrauches fördern sie selbst. Dieses Öl dürfen aber die Ölgesellschaften nur zum niedrigen Uraltpreis verkaufen. So kostet (Mischpreis aus Uraltpreis und Importpreis) der Liter Benzin nur fünfzig Pfennig und wird daher hemmungslos verbraucht. Heizöl ist auch spottbillig. Carter wagt erst jetzt, den Inlandspreis (Uraltpreis) in Etappen anzuheben (und die Ölgesellschaften wegen ihres "Windfall"-Gewinns extra zu besteuern). Erst in Jahren werden die Ölpreise steigen und die Amerikaner zwingen, weniger Öl zu verbrauchen.