Die unterschiedliche Grundeinschätzung der Börsenentwicklung – und hier vor allen Dingen die der Zinsen – schlug sich deutlich in den sehr differenzierten Ergebnissen nieder, die von den deutschen Aktienfonds im zurückliegenden Quartal erzielt worden sind. Fonds, die mit einer positiven Einschätzung der Börsenlage, insbesondere mit der Hoffnung auf eine Zinssenkung im Laufe des Frühsommers, ins neue Jahr gegangen waren, mußten einen hohen Preis für die verfrühte Zuversicht zahlen.

Geht man von einem durchschnittlichen Rückgang der deutschen Aktienkurse im I. Quartal 1980 von rund 6 Prozent aus, dann hat sich der Unifonds mit einem Wertschwund je Anteil von 2,1 Prozent am besten gehalten, gefolgt von Concentra mit einem Minus von 2,9 Prozent. Deutlich höhere Einbußen erlitten die deutschen Publikumsfonds Fondak (minus 4,7 Prozent), Investa (minus 4,7 Prozent) und Dekafonds (minus 4,4 Prozent). Diese Differenzen können nicht nur aus der unterschiedlichen Depotzusammensetzung stammen, sondern dürften auch mit dem jeweiligen Liquiditätsgrad zu tun haben. Das beste Rezept für die letzten drei Monate war: den Aktienbestand so niedrig wie möglich zu halten und die flüssigen Mittel den Kreditinstituten als hochverzinsliche Termineinlagen zur Verfügung zu stellen.

Viel Bewegungsfreiheit besitzen die großen deutschen Aktienfonds jedoch nicht. Seit rund einem Jahr leiden sie unter einem Mittelrückfluß. Er hat auch in den letzten Monaten noch angehalten. Praktisch stehen die Fonds also tendenziell unter Verkaufszwang – und dies bei einer unter Schwankungen rückläufigen Tendenz.

Die darin zum Ausdruck kommende Anlagemüdigkeit ist keine ausschließlich deutsche Erscheinung. Auch die große holländische Anlagegesellschaft "Robeco", die international investiert, ist im vergangenen Jahr geschrumpft.

Trotz der Dollarstärke und den sich zeitweise an den US-Börsen bietenden Chancen ist es nicht allen deutschen Fonds, die im Ausland anlegen dürfen, gelungen, die ersten drei Monate dieses Jahres mit einem Plus abzuschneiden. Mit einer Wertsteigerung von 13,2 Prozent ist der Fonds Atlanta einsame Spitze. Das ist den Transatlanta-Sparern auch zu gönnen; denn in den vergangenen zehn Jahren mußten, sie einen Verlust von 3,7 Prozent hinnehmen.

Erstmals veröffentlichen wir in der Tabelle die Wertveränderung der Jahre von Ende 1959 bis Ende 1979. Sie zeigen, daß sich das Investmentsparen im Grunde nicht gelohnt hat. Denn selbst das Plus von 165,5 Prozent, das der gemischte Fonds (Aktien und Renten) Fondra aufzuweisen hat, wird unschwer von dem Zuwachs übertroffen, der sich unter Anwendung der Zinsen-Zins-Rechnung bei normalen Spareinlagen eingestellt hätte.

Nun ist einzuräumen, daß die Vergleichsbasis von 1959, als die deutschen Aktienkurse in etwa ihren bisherigen Nachkriegshöhepunkt erreicht hatten, für die Fondsrechnungen einen ungünstigen Ausgangspunkt darstellt. Aber betrachtet man die Zehn-Jahres-Rechnung, dann sind die Ergebnisse keineswegs viel besser.