Der Berg ist nicht der größte im Vulkangespickten Kaskadengebirge, Mit 2970 Meter Höhe galt der Mount St. Helens im Süden des amerikanischen Bundesstaates Washington allenfalls als schönster Kaskaden-Vulkan, ebenmäßig geformt wie der japanische Fudji. Seit Donnerstag, dem 27. März, zeigt die ebenmäßige Bergschönheit jedoch ihr wahres Gesicht: Eine Woche lang hatten mittelschwere Erdbeben im Berg rumort,, dann, um 12.40, folgten drei laute Explosionen – und plötzlich spuckte Mount St. Helens, nach 123 Jahren Ruhe, eine 6000 Meter hohe Aschen- und Rauchwolke aus. Die Behörden evakuierten vorsichtshalber das dünn besiedelte Gebiet rund um den Schlot, während amerikanische Vulkanologen zu dem ersten speienden Feuerberg in den kontinentalen USA seit 1917 pilgerten (damals war der Lassen Peak im Norden Kaliforniens aktiv). Die Fachleute überraschte der Ausbruch wenig. Denn schon 1978 hieß es in einem Bericht des amerikanischen geologischen Dienstes, "Mount St. Helens ist ein besonders gefährlicher Vulkan; er war der aktivste und explosivste Feuerberg in den kontinentalen USA während der letzten 4500 Jahre". Die Geologen, die das Alter des Berges auf nur 37 000 Jahre schätzen (für sie ein "Baby"), prophezeiten damals einen Ausbruch noch vor dem Jahr 2000. Jetzt warten sie auf die Lava. Denn bis Anfang dieser Woche spuckte Mount St. Asche, immer noch nur Rauch und feine Asche, züngelte eine bläuliche Flamme in seinem größer werdenden Krater, erschütterten rhythmische Beben und einige heftige Erdstöße die Umgebung. Wegen der flachen Bebenherde vermuten die Seismologen, daß das flüssige Gestein nur noch einen Kilometer unter dem Krater steht. Der Vulkan, meint der Geologe Glen Izett, "reinigt seinen Rachen". GH