Eine Weiche für die Nahverkehrsmittel – Oder: wie mache ich dem Autofahrer die Bahn attraktiv

Von Volkhard Jung

Sehr spät – aber spätestens seit Chomeinis Eskapaden – haben die Verantwortlichen in Bund, Länder und Gemeinden eingesehen, daß die einseitige Förderung des Individualkraftverkehrs in eine Sackgasse führen muß. Zwei schmerzhafte Erkenntnisse haben diese Einsicht befördert:

  • Der Raum und die Finanzmittel zum autogerechten Ausbau der Städte sind begrenzt; für den Straßenbau wird schon in dringend notwendige Erholungsräume eingegriffen.
  • Zweitens läßt die Verteuerung von Benzin und Diesel weitere Investitionen im Straßenbereich fragwürdig erscheinen. Synthesekraftstoff würde etwa doppelt so teuer wie unser heutiger Treibstoff werden und zur Herstellung auch etwa doppelt soviel Primärenergie benötigen. Damit wäre dann der Primärenergieverbrauch im Berufsverkehr – falls nicht in erheblichem Umfange Fahrgemeinschaften gebildet würden – etwa viermal so hoch wie bei öffentlichen Verkehrsmitteln.

Noch vor acht Jahren war für den langfristigen Ausbau der Verkehrswege Schiene/Straße ein Verhältnis 1:10 angesetzt worden (für 15 Jahre 300 Milliarden Mark für den Straßenbau und 30 Milliarden Mark für den Ausbau des Bahnnetzes). Dies schien gerechtfertigt, weil im Personenverkehr – aber auch nur dort – die Verkehrsaufteilung Schiene/Straße, berechnet in Personenkilometern, etwa 1:10 betrug.

Den Trend zum Auto kommentieren Bundesbahnbeamte bitter mit: "Wir transportieren noch die fünf A’s – Arme, Alte, Auszubildende, Ausländer und Arsch ... Abgeordnete."

Die Privatheit des Autos bleibt