Gegen mehr als 100 der 400 Firmen, die sich in der Bundesrepublik mit dem Warenterminhandel befassen und die ihren Klienten schnellen Reichtum versprechen, laufen staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren. Mehrere hundert Millionen Mark haben gutgläubige Anleger bei solchen Gesellschaften schon eingebüßt.

arenterminbörsen sind notwendig für Erzeuger, Verarbeiter und Händler, die hier die von ihnen gebrauchten und gehandelten Produkte gegen Preisschwankungen sichern. Warenterminbörsen sind aber auch gleichzeitig ein Vehikel für heiße Spekulationen. Dadurch, daß an den Warenterminbörsen nicht der volle Kaufpreis für die georderte Ware zu zahlen ist, sondern nur ein Einschuß von 10 bis 25 Prozent geleistet wird, ergeben sich Gewinnchancen von mehr als 100 Prozent in relativ kurzer Zeit. Sinkt aber der Preis einer Ware, ist der Einschuß rasch verloren.

Nur so viel zur Technik, meine verehrten Leser. In der Praxis ist der Warenterminhandel sehr viel komplizierter. Es würde zu weit führen, hier alle Einzelheiten und Möglichkeiten zu erläutern.

Doch trotz der komplizierten Materie ist es einer cleveren Branche gelungen, in der Bundesrepublik Millionen für solche Geschäfte zu mobilisieren. Dabei sind es nicht nur die Bezieher höchster Einkommen, die an der Warenterminbörse ihr Glück suchen, sondern zunehmend auch die mittleren Einkommensklassen. "Die Faszination des Spielens mit hohem Einsatz um angebliche Traumgewinne – was zumeist mit Totalverlust endet – ergreift immer mehr Bundesbürger. Rational denkende Familienväter reagieren plötzlich emotional auf die Lockungen des schnellen Geldes’, das ihnen unseriöse Warenterminverkäufer vorgaukeln." So die Schimmelpfeng GmbH, die sich in letzter. Zeit intensiv um die Warenterminbranche in der Bundesrepublik gekümmert und dabei herausgefunden hat, daß es sich lohnt, mit einer besonderen Abteilung "Kapitalschutz" ihrer Kundschaft mit Auskünften zur Verfügung zu stehen.

Wenn die großen amerikanischen Brokerhäuser beklagen, daß die Nachrichten über die strafrechtliche Verfolgung unseriöser Warenterminvermittler ihr eigenes Geschäft in der Bundesrepublik beträchtlich stören, dann sind sie daran gewiß nicht völlig unschuldig. Nicht wenige Broker haben mit diesen unseriösen privaten Vermittlern zusammengearbeitet, wobei dahingestellt sein mag, ob sie in jedem Fall von der "Ehrlichkeit" ihrer Geschäftspartner überzeugt waren oder nicht. Um künftig ein Markenzeichen für Seriosität zu schaffen, ist die Gründung einer "German Commodity Association" geplant, der zunächst nur die in der Bundesrepublik vertretenen amerikanischen Brokerhäuser angehören sollen. Später wäre vielleicht auch eine Aufnahme von nicht börsenzugelassenen Maklern möglich, wenn sie den Beweis absoluter Seriosität zu erbringen vermögen.

Die Offensive gegen die obskuren Warenterminvermittler läuft also mehrgleisig. Aber auch wohl nur deshalb, weil das Kind bereits tief im Brunnen liegt. Über das Ausmaß der Verluste, die deutsche Anleger durch diese Ermen erlitten haben, lassen sich nur Schätzungen anstellen. Denn längst nicht alle Betrogenen melden sich. Viele haben in den Warenterminhandel "schwarze Gelder" investiert, die mit Blick auf das Finanzamt nicht reklamiert werden können. Besonders ärgerlich wird es für solche Schwarzgeldbesitzer dann, wenn die Staatsanwaltschaft die bei den Warenterminvermittlern beschlagnahmten Unterlagen den Finanzämtern zur gefälligen Verwendung überläßt. Dann kann es passieren, daß die Spekulanten nicht nur das eingesetzte Geld verloren haben, sondern sich darüber hinaus noch mit dem Finanzamt peinlich auseinandersetzen müssen.

Die gängige Art, leichtgläubig Kunden um ihr Geld zu bringen, wickelt sich nach einem altbewährten Muster ab: Nach Probeaufträgen erzielt der Kunde zunächst Gewinne. Natürlich läßt er sie sich nicht auszahlen, sondern wird zu größeren Aufträgen verleitet. Wer unbedingt sein Geld zurückwünscht, erhält es – allerdings nur so lange, wie dazu Anlegergelder neuer Kunden zur Verfügung stehen. Sobald der Initiator der Warenterminfirma genügend Geld abkassiert hat, läßt er sein Unternehmen Pleite gehen und verschwindet ins Ausland. Um die Echtheit des Geschäfts vorzugaukeln, wurden in der Vergangenheit den Kunden Abrechnungen kleinerer unseriöser Londoner Brokerfirmen vorgelegt, die ihren deutschen Geschäftspartner für die Vermittlung solcher Geschäfte bis zu 80 Prozent der Einlage rückvergüteten; eine eigentliche Plazierung an der Börse fand nach den Ermittlungen von Schimmelpfeng nie statt.