Von Wolfgang Hoffmann

Vor wenigen Monaten plagten den deutschen Verteidigungsminister Hans Apel große Zweifel, ob er noch in der Lage sei, die Entwicklung eines neuen taktischen Kampfflugzeugs für die neunziger Jahre zu finanzieren. Die Kosten fliegen der Luftwaffe nämlich davon. Diese Erkenntnis ist allerdings nicht neu. Schon das jetzt bei der Truppe einzuführende Kampfflugzeug der achtziger Jahre, der "Tornado", wurde von Jahr zu Jahr teurer. Erst im Sommer vergangenen Jahres mußte Hans Apel abermals 500 Millionen Mark zulegen.

Hinter den Kulissen sieht es freilich noch trister aus. Eine wissenschaftliche Untersuchung über Probleme des multinationalen Rüstungsmanagements am Beispiel des von drei Nato-Ländern gemeinsam entwickelten Kampfflugzeuges MRCA kommt zu einem niederschmetternden Ergebnis: "Im Programm MRCA-Tornado ließen sich von geschätzten 55 Milliarden Mark Gesamtkosten mehr als 15 Milliarden Mark einsparen, würde man die Ineffizienzen in Höhe von 33 Prozent allein in diesem Beschaffungsprogramm nur beseitigen."

Bruno J. Köppl, der an der Münchener Maximilians-Universität mit einer Untersuchung über internationales Rüstungsmanagement promoviert hat, weiß, wovon er spricht. Der 35jährige Köppl ist Diplomingenieur, absolvierte bei Siemens eine kaufmännische Traineeausbildung und war als Kostenanalytiker und Controller bei BMW tätig. Er ist seit 1974 bei der bundeseigenen Industrieanlagen Betriebsgesellschaft Ottobrunn (IAB) bei München für Fragen des Rüstungsmanagements zuständig. Köppl befaßt sich dort mit multinationalen Entwicklungs- und Beschaffungsverfahren für Wehrmaterial. Die IAB GmbH ist für die Luftwaffe tätig.

Für seine Promotionsarbeit recherchierte Köppl öffentliche und weniger öffentliche Aktendetails. Er interviewte mehr als siebzig Personen, die direkt oder indirekt mit dem von Kritikern schon vor Jahren als "größtes Rüstungsprogramm seit Christi Geburt" bezeichneten Beschaffungsprojekt der Luftwaffe, dem Kampfflugzeug Tornado, zu tun haben oder hatten. Nicht zuletzt die eigenen Berufserfahrungen kamen Köppl bei seiner Untersuchung zugute.

Die Ineffizienz im staatlichen Rüstungsmanagement, die Köppl am Beispiel des Tornado-Programms bloßgelegt hat, lassen sich seiner Auffassung nach auf die gesamte Rüstungsbeschaffung der Nato übertragen. Köppl: "Die Ineffizienzen führen nicht nur zu Verlusten in Höhe von vielen hundert Milliarden Dollar, sie dürften zudem die Existenz des Westens gefährden, weil die UdSSR über eine im Westen verkannte Rüstungsproduktivität und über hohe Rüstungsinvestitionen die westliche Allianz bereits in raschem Tempo womöglich überholt hat."

Begonnen hatte das Tornado-Drama zu Beginn der sechziger Jahre, als die Führung der Luftwaffe nach einem neuen Kampfflugzeug Ausschau hielt. Es kam zu multinationalen Gesprächen mit weiteren Interessenten – England, Niederlande, Italien, Belgien und Kanada. Am Ende blieben nur die Bundesrepublik, Großbritannien und Italien übrig. Sie einigten sich auf die gemeinschaftliche Entwicklung eines Mehrzweckkampfflugzeuges MRCA (Multi Role Combat Aircraft).