Helmut Schmidt oder Franz Josef Strauß – ist das für emanzipierte Frauen, zum Beispiel für Emma-Leserinnen, eine echte Alternative? Nein, lautet natürlich die richtige Antwort; erstens werden beide von ungefähr gleich vielen als "frauenfeindlich" eingestuft, zweitens, so Alice Schwarzer, habe die SPD die Frauen "verraten". Frau Schwarzer weiß auch, wie’s geschah. Die Regierungspartei habe eben ihre ganzen Versprechen, die Frauen betreffend, nicht wahrgemacht. In den "zehn guten Gründen, SPD zu wählen", tauche das Wort Frau gar nicht auf. Wie ernst man solche Beweisführungen auch nehmen mag –, daß die Stimmung unter den Frauen, von denen Alice Schwarzer spricht, nicht mehr so SPD-freundlich ist wie 1972 oder 1976, hat Infratest im Auftrag von Emma ermittelt. Fast die Hälfte dieser spezifischen Wählerinnenschicht, die zu hohem Prozentsatz SPD wählte, neigt diesmal zu den Grünen.

Allerdings: Weder die Grünen noch eine Frauenpartei könnten die Alternative sein, und "kein besonnener Mensch" könne sich einen Kanzler Strauß wünschen, urteilt Alice Schwarzer. Also Wahlboykott? Auch das wird nicht empfohlen, weil die Abstinenz der Frauen von Politik so noch gefördert werden könnte. Am Ende bleibt man also bei diesen Thesen ein bißchen ratlos.

Während ganz Bonn gebannt auf das weltpolitische Drama blickt, das vom Iran ausgeht, während Regierung und Opposition sich um das richtige Verhältnis zu den USA bemühen und der Kanzler gar Parallelen zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges zieht –, in dieser aufgeregten Zeit hat Friedrich-Adolf Jahn zum Glück die Ruhe behalten. Die Regierung, verlangt der CDU-Abgeordnete in einer Presseerklärung, dürfe die Kleingärtner nicht enttäuschen und müsse "alsbald für eine verfassungskonforme und gleichzeitig kleingartenfreundliche Regelung des Kleingartenwesens Sorge tragen".

Weniger Subventionen und weniger Staat? "Die Förderung des Kleingartenwesens", hält Jahn solchen Wünschen aus den eigenen Reihen entgegen, "bleibt eine öffentliche Aufgabe". Nachdem die CDU in ihrem Umweltprogramm schon entdeckt hat, zahllose "Landwirte und Winzer, Naturfreunde, Gärtner, Jäger und Fischer" hätten die politische Heimat bei ihr gefunden, komplettiert Jahn nun, sie bleibe auch "Anwalt der Kleingärtner". Er denkt dabei selbstredend nicht, nur an eine Wählergruppe von Gewicht (vielleicht gar nicht kleiner als das der Frauen, von denen Alice Schwarzer spricht), sondern natürlich auch ans Prinzip: das Kleingartenwesen fördere den Sinn für Familie und Nachbarschaft und "bilde und erziehe unsere Jugend". Und auf was, bitte sehr, käme es zur Stunde denn dringlicher an?

Mit dem Feiern fröhlicher Feste haben die Bonner es wirklich schwer. Das liegt auch, aber nicht nur, am Hamburger Charme Helmut Schmidts. Der Kanzler, Autor des berühmten Worts, auch ein bißchen Fröhlichkeit dürfe in der Politik mit dabei sein, atmet bekanntlich erleichtert auf, wenn er wieder mal eine der ironischen oder doch wenigstens ironisch gemeinten Reden seiner Ghostwriter anläßlich eines fröhlichen Festes verlesen hat. Die Opposition fördert im übrigen die Bereitschaft der Regierenden, Feste zu feiern, naturgemäß nicht sehr gern. Sie piesackt mit der Frage, was das wohl wieder mal den Steuerzahler gekostet habe, und gelingt das Fest nicht richtig, ist klar, was daran schuld ist, der "Sozialismus", der sich nun mal nicht mit Fröhlichkeit verträgt... Für das diesjährige Kanzlerfest am 27. Juni scheint sich Schmidt vorgenommen zu haben, solche Skepsis zu unterlaufen: Zwar lädt er mehr Gäste ein als je, 6000 nämlich, aber zur "Wa(h)lpurgisnacht" werden sämtliche Abgeordneten mit ihren Frauen (oder Männern), auch die der Opposition, gebeten. Ob aus dem Hexensabbat im Kanzleramtspark was Fröhliches wird, liegt damit auch in den Händen der Opposition. Falls sie sich nicht an den Rat der Sirenen aus Goethes Walpurgisnacht hält: "Eile jeder Kluge fort! Schauderhaft ist’s um den Ort."

Gunter Hofmann