Ist der Vulkanismus in der Eifel wirklich erloschen? Deutsche Forscher sind skeptisch

Von Horst Rademacher

Isch kann kein Angst vor den Vulkanen!" bekennt Landwirt Willi Mertens im Eifeldorf kennt Seine Äcker liegen mitten auf einem alten Vulkanschlot. Wenige Kilometer entfernt spiegelt sich die aus Vulkansteinen gebaute romanische Abtei Maria Laach in den Wassern des gleichnamigen Sees. Der Laacher See entstand einst, weil hier die Erde Feuer spie. Auch entstand und Holzmaar, beide beliebte Ausflugsziele, sind Vulkane. Wo heute stille, grünliche Wasser zum Teil recht trübe stehen, fauchten vor 10 000 Jahren die Schlote, sprengten gewaltige Eruptionen die Krater in die Landschaft.

Seitdem sei alles ruhig in der Eifel, beteuerten bislang Erdforscher den Einheimischen, sei der Vulkanismus längst erloschen.

Inzwischen zweifeln freilich viele Geowissenschaftler, ob sich die Erde unter der Eifel wirklich beruhigt hat. Aufsehen erregte der Mainzer Vulkanologe Volker Lorenz mit seiner Behauptung "Heute oder in potentiell 500 Jahren findet in der Eifel die nächste Eruption statt." Und auch sein Kollege Hans-Ulrich Schmincke von der Bochumer Ruhr-Universität bestätigt: "Es ist statistisch unwahrscheinlich, daß der Vulkanismus erloschen ist."

Hinter den düsteren Prognosen steckt die Einsicht der Geologen, in viel längeren Zeiträumen als Jahrhunderten denken zu müssen. Um die Geschichte der Eifel und ihres Vulkanismus zu ergründen, müssen die Forscher etwa 400 Millionen Jahre zurückgehen, bis in die Devon-Zeit. Damals bildeten sich in einem Gebiet, das heute von den Städten Köln, Frankfurt, Luxemburg und Kassel begrenzt wird, Schiefer- und Grauwackengesteine mit einer Mächtigkeit von mehr als 4000 Metern. Diese Gesteinsmassen, von mehr ten aus dem Erdinneren angehoben, bilden heute das Rheinische Schiefergebirge.

Nun blieb es seit dem Devon nicht ruhig in Eifel, Hunsrück, Taunus, Westerwald und Siegerland. Während einer Zeit starker Gebirgsbildung in Mitteleuropa, der sogenannten herzynischen Phase vor 300 Millionen Jahren, wurden die Devon-Gesteine kräftig bearbeitet. Damals entstand die Schieferung durch den starken Druck bei der Gebirgsbildung.