Das ganze Ruhrgebiet ist eigentlich schon New York, das ist den Leuten nur noch nicht bekannt. Ein geheimes, europäisches New York, bestehend allerdings nur aus Dörfern. Wenn diese Dörfer mal dahinterkommen, daß sie schon längst New York sind, dann werden sie alle noch viel stolzer sein.

Claus Peymann in einem Interview mit dem Berliner "tip-magazin"

BMW-Museum, ohne Michel

Das spektakuläre Automuseum "Zeitsignale", das Wilfried Minks und Eberhard Schoener für die Bayerischen Motorenwerke (BMW) in München eingerichtet haben (wir berichteten ausführlich in ZEIT Nr. 13 vom 21. März 1980), ist jetzt endlich, nach ziemlich blamablen Querelen, für das Münchner Publikum zur Besichtigung freigegeben worden. Die Vorstandsherren, in der unguten Doppelrolle von Mäzen und Zensor, konnten es sich zuletzt doch nicht verkneifen, ein wichtiges Detail der Ausstellung selbstherrlich zu ändern. Der deutsche Michel, der in Minks’ Szene samt einer Herde von Schafen andächtig vor einer Führer-Silhouette stand, wurde abmontiert. Aberwitzige Begründung: der Faschismus sei schließlich ein internationales Phänomen gewesen. Wer auch immer bei BMW den deutschen Michel entfernt hat: er ist selber einer.

Journalistenpoesie: La Luna (II)

Bernardo Bertoluccis "La Luna" ist ein Film über die Verwirrungen des Herzens und des Körpers. Keiner, der den Film sieht, kommt unversehrt aus ihm heraus. Deshalb ist es ein Anlaß zur Freude, keiner zur Schadenfreude, wenn auch die deutschen Filmkritiker, vom Mondfieber befallen, endlich einmal die schalen Rituale der Routine aufgeben, mutig an die Grenzen des Sagbaren vorstoßen, und über die Grenzen hinaus. In der vorigen Ausgabe haben wir auf die Große Oper hingewiesen, die der Kritiker der Frankfurter Rundschau über "La Luna" verfaßt hat. Heute möchten wir ein Stück fiebernder Kammermusik vorstellen, das Thomas Petz in der Süddeutschen Zeitung aufgeführt hat. Auszug: "In La Luna werden die Personen in eine unwirkliche Gefühlswelt verstrickt Die herrliche Kamera von Vittorio Storaro führt in tiefe dunkle Gange, entführt in die wunderbare Landschaft der Emilia Romana, kehrt zurück in die Antike der Caracalla-Thermen, verweilt in Szenen von Verdi-Opern. Immer wieder tragen der Kameramann und sein Regisseur uns durch die Lüfte, um uns da und dort wieder zur Erde fallen zu lassen. Hier vermischt sich Unterirdisches und Überirdisches. Eine überwältigende Bildertraumwelt voller Zauber und Verzückung wechselt mit abrupten realistischen Details. Bertolucci lädt zu einem Wechselbad der Gefühle ein. Da wird keine brave, biedere Geschichte erzählt, sondern es werden immer wieder neue, kleine Geschichten hingerollt, kleine Abenteuer, kleine Erlebnisse. Oft hat das Vorige mit dem Folgenden nur noch wenig zu tun. So tanzt La Luna scheinbar unbekümmert dahin." Wenn süß das Mondlicht auf den Phrasen schläft.

Hundertmark: Objekte in Kartons

Seit nunmehr zehn Jahren verpackt und veröffentlicht Armin Hundertmark in Kartons, was einige der entscheidenden Künstler aus dem Bereich von Happening, Fluxus und Konzept-Kunst für ihn an Zeichnungen, Photos, Graphiken, Ideen und Objekten entwickeln. Er entdeckte diese Kunstrichtungen relativ spät, hatte keine Geburtshilfe zu geben, aber um so konsequenter blieb er dabei. Die Künstlerliste des ersten Kartons blieb die Essenz seines Programms: Joseph Beuys, Günter Brus, Ken Friedman, Milan Knizak, Ludwig Gosewitz, Otto Muehl, Hermann Nitsch, Gerhard Rühm, Tomas Schmit und Ben anderem Dazu kamen im Laufe der Jahre unter anderem Arnulf Rainer, Jochen Gerz, Joe Brecht Stefan Wewerka, Robert Kartons George Brecht und Alison Knowles. 65 Kartons hat er bisher publiziert und als Höhepunkt und Abschluß seiner Tätigkeit an der Spree noch einmal gezeigt. Jüngst zog er um vom Blumenweg in der Tempelhofer Kolonie Kleeblatt nach Köln am Rhein – und verpackt weiter.