Zwiespältig ist die Empfindung erst recht für den, der nicht von dorther kommt, der es – vielleicht – nur als Tourist gesehen hat: dieses schöne Stück Land, das einmal ein Stück von Deutschland gewesen war. Ostpreußen, voller Schönheiten, voller Bitternisse.

Schönheiten für den Fremden, Bitternisse für den Fremdgewordenen.Darüber ehrlich zu schreiben, also nicht zu vergessen, was dieses Land in seiner langen, auch großen Geschichte war, doch nicht zu verschweigen, warum es ein langer, auch großer Verlust ist, bleibt ein schwieriges Unterfangen. Warum?

Beim Lesen der beiden Bücher stieß ich, ohne Zufall, auf diese zwei Textstellen, die nicht zusammenpassen wollen und die doch, weil es die Realität ist, zusammengehören.

Helmut Peitsch schreibt in seiner Einleitung zu dem "Ostpreußen"-Band: "Als eine Treuburgerin nach drei Jahrzehnten ihr Elternhaus besuchte, gab sie zum Abschied den neuen Besitzern den Haustürschlüssel. Ihre Mutter hatte ihn mit auf die Flucht genommen – er paßte noch."

In dem "Königsberg"-Buch werden diese Eindrücke einer Pillkallerin vom Sommer 1972 aus dem ehemaligen Schloßberg wiedergegeben: "Der liebe Gott weiß wohl, warum er Disteln wachsen läßt: um alles zu verbergen. Kein Zaun, kein Weg, nur Disteln. Keine Bäume, nur verkrüppeltes Etwas. Links und rechts nichts mehr, nur Disteln, kein Haus mehr, nichts, nichts, nichts. Der Markt – lieber Gott, warum hast du das zugelassen?"

Warum? Die Frage der fragen wird auf diesen vielen Seiten häufg, immer wieder gestellt. Es bleibt bei dieser Frage. Die Antworten fehlen, die richtigen Antworten. Eine ist mir im Gedächtnis geblieben, seitlich sie 1972 in dem Bändchen "Deutschland, Deutschland unter anderem" von Hans Magnus. Enzensberger fand:

"Vor mir habe ich eine kleine Landkarte. Sie trägt die Überschrift: Bevölkerungsverluste im Zweiten Weltkrieg. Auf dieser Karte sind Kreuze zu sehen: Ein Kreuz steht für eine Million Getötete. Ich sehe fünf Kreuze in Deutschland, fünf Kreuze in Polen und eines in Jugoslawien stehen. Zwanzig solcher Kreuze finde ich neben dem Wort: Sowjetunion."