Wenn ich als Kind durch den Regen radelte und mit dem Schirm balancierend gegen die Tropfen kämpfte, habe ich manchmal davon geträumt, mein Fahrrad hätte ein Dach. Jetzt bin ich mit meinem Regentagtraum gefahren. Mit einem Trelo, einem grüngestrichenen Dreirad. Es hat ein Dach und rundherum eine durchsichtige Kunststoffhülle, und es heißt "Laubfrosch".

Erfunden haben ihn (nebst einer "Libelle" und einem noch namenlosen Tandem) die Architekten und Diplomdesigner Helmut E. Simon und Nikolaus Merkel aus Braunschweig. Der Name Fahrkommt von Tri = drei und Velociped = Fahrrad.

Das Trelo zu fahren sei kinderleicht, hieß es. Markus, zehn Jahre alt und Sohn des Herstellers, konnte es sofort. Ich brauchte frustrierende 40 Minuten und zehn Versuche, um den "Laubfrosch" zu bändigen.

"Laubfrosch", "Libelle" und das Tandem wurden konzipiert als Fahrzeuge für den Stadtverkehr. Als Alternative zu Abgasen und Lärm und gegen ständig verstopfte Straßen. Ihre Erfindet stellen sich vor, man könnte eines Tages die Innenstadt für Autos sperren und würde alle Wege bequem mit dem Trelo erledigen.

Mechaniker Günter Schacht hat in fünf Wochen dreihundert Stunden lang die in diesen Tagen der Öffentlichkeit präsentierten Trelo-Prototypen gebaut. Daß ich 25 Jahre unfallfrei geradelt bin, mochte er so recht nicht glauben angesichts meines bedrohlichen Rechtsdralls. Wo ein Trelo doch so einfach zu lenken ist. Zu einfach. Ein kleiner, zufälliger Schlenker und schon rollte ich vom Wege ab, versuchte mit den Füßen zu bremsen und wollte abspringen, um nicht umzufallen. Aber das Trelo kann nicht umkippen wie ein Fahrrad. Allmählich lernte ich: Der "Laubfrosch" war – wunderbarerweise – mühelos zu stoppen (ohne Füße, mit einer Handbremse). Und er blieb auch wirklich stehen, ohne mich abzuwerfen.

Die Materialien für das neue Gefährt sind allesamt im Fahrradhandel erhältlich. Wirklich neu ist nur die Rahmenkonstruktion aus Stahlrohrprofilen, auf der der regenschützende Überbau (aus Astra-Glas und Kunststoffgewebe) ruht, dessen Seitenteile man nach Sardinenbüchsenart hochrollen kann. Die Trelos werden über eine Kette angetrieben, haben ein Differential, eine Dreigang-Nabenschaltung und eine Zweiklang-Glocke.

Vor drei Jahren kamen Simon und Merkel auf die Idee, sich mit der Konstruktion eines umweltfreundlichen Stadtfahrzeuges zu befassen. Ihr erstes Modell ähnelte noch sehr jenen Tretmobilen, mit denen sich Urlauber auf Badeortpromenaden fortbewegen. Bauen mochte das Gefährt niemand. Bis das Paar auf den Maschinenfabrikanten Reinhard Lippe traf. Er war von der Idee begeistert, im Dezember schritt das Trio zur Dreirad-Tat, im Februar wurde das Patent angemeldet, vor einer Woche waren drei Prototypen fertig. Knapp 20 000 Mark hat die Entwicklung gekostet, die vielen verbastelten Stunden der Erfinder nicht mitgezählt.