Von Klaus-Peter Schmid

Paris, im April

Das Wort ist hart, aber es trifft: Michel Poniatowski ist eine Skandalnudel. Immer wieder taucht der Name des Fürsten Michel Casimir Poniatowski im Zusammenhang mit Affären und zweifelhaften Angelegenheiten auf, an denen es der Fünften Republik in letzter Zeit gewiß nicht mangelt. Der ehemalige Innenminister und "ständige Sonderbotschafter des Staatspräsidenten" scheint die Fettnäpfchen geradezu zu suchen, in die er dann tritt. Hinterher will er es nie gewesen sein, und seine gutmütigen Beteuerungen fanden noch immer offene Ohren. In der Tat hat er sich bei seinen politischen Saltos noch nie das Genick gebrochen, auch wenn an der Stabilität seines Rückgrats Zweifel angebracht scheinen.

Jetzt allerdings hat es Ponia, wie Freund und Feind den bulligen, 57 Jahre alten Vollblut-Politiker nennen, voll erwischt. Zum erstenmal seit über 20 Jahren muß die Pariser Nationalversammlung in dieser Woche entscheiden, ob ein ehemaliger Minister, nämlich Poniatowski, vor ein eigens zu bildendes Gericht gestellt wird, um sich wegen gravierender Verfehlungen im Amt zu rechtfertigen.

Begonnen hatte alles mit dem Mord an dem Abgeordneten Fürst Jean de Broglie am 24. Dezember 1976. Ponia war nämlich fünf Tage nach jenem Attentat in seiner Funktion als Innenminister, vor die Presse getreten und hatte verkündet, – die Angelegenheit sei aufgeklärt. Das war nicht nur ein eklatanter Eingriff in ein schwebendes Verfahren, sondern auch eine badenlose Unverfrorenheit Denn bis heute sind die Zusammenhänge um den Mord alles andere als klar; aus einem Fall, bei dem es angeblich nur um Geld ging, ist eine hochnotpeinliche Affäre mit politischen Verwicklungen finsterster Art geworden,

Sie wurde noch brisanter, nachdem jetzt bekannt wurde, daß die Polizei von einem bevorstehenden Anschlag auf das Leben de Broglies wußte, aber nichts zu seinem Schutz unternahm, Doch Poniatowski, damals als Innenminister für die Polizei zuständig, wäscht heute seine Hände in Unschuld. Nur, glauben will ihm niemand mehr so recht. Seinen Gegnern (einschließlich der Gaullisten) gilt er als Verkörperung der Republik der copains et coquins, der Spezis und Spitzbuben, die zur traurigen Realität geworden sei.