Im Südwestfunk von Baden-Baden grummelt’s. Vielen Redakteuren schmeckt ihr Viertele nicht mehr. Sie klagen – bisweilen auch vor Gericht. Sie fühlen sich durch Eingriffe, Vorhaltungen und Ermahnungen der Betriebsleitung – daß ein Sender seine Führung so nennt, als wäre es eine Schuhfabrik! – verunsichert.

Der Sender in der Stadt der Pensionäre und Spieler ist in die Schlagzeilen gekommen. Karnickel dieser Misere ist der Intendant. Willibald Hilf, Jurist, CDU-Mann, lange Jahre Staatssekretär in Mainz, regiert den Sender "wie der Vorsteher einer Staatskanzlei". So charakterisierte ihn kürzlich ein Mitglied des Rundfunkrates.

Der Ex-Beamte Hilf verkörpert par excellence, wie sich unsere Parteien einen Rundfunkintendanten vorstellen: Blinder Gehorsam gegenüber seiner Partei.

Die aufs Unterordnen gedrillte Mentalität des Willibald Hilf führt somit konsequent zu einer Amtsführung, die im Anordnen und Verordnen besteht, in pampigen Briefen an Untergebene, in herrischen Urteilen über Kollegen anderer Anstalten ("Gütt ist für die ARD nicht tragbar"), alles Zeichen für einen Mann, der seine Rolle als Intendant nicht begriffen hat.

Willibald Hilf will im Herbst als Intendant wiedergewählt werden. Nun weiß auch er von den Bestrebungen der rheinland-pfälzischen CDU, ihn durch den ehemaligen CDU-Justizminister Otto Theisen zu ersetzen. Das hat ihn verunsichert. Also versucht Hilf sich noch schnell als Gestalter zu profilieren, der ein CDU-nahes, CDU-unanstößiges, CDUgefälliges Programm liefert. Nur so sind seine jüngsten Eingriffe zu verstehen.

Hilf desavouierte vor aller Öffentlichkeit seine Regional-Redaktion, die einen Film über ein Stück Landschaft und seine Menschen gesendet hatte. Telebiss gesteht, es gab schon stärkere Filme, aber der Streifen war "sendbar" wie der Fachausdruck heißt. Die wilden Proteste der Verbände und Parteien waren für Hilf Anlaß, sich für seine Anstalt zu beknirschen, ohne vorher mit den Redakteuren gesprochen zu haben. Der Fernsehausschuß segnete seine Haltung ab.

Ein anderer Fall: Hilf paßte der von der Redaktion vorgesehene Kommentator für die Landtagswahl Baden-Württemberg nicht. Raiher Kaufmann, während der Filbinger-Affäre aus der CDU ausgetreten, fehlte in Hilfs Augen die höheren Weihen der Hierarchie. Obwohl täglich mit der Landespolitik beschäftigt, mußte Kaufmann schweigen und der stellvertretende Chefredakteur Hans Gresmann einspringen. Der nun aber kennt Henry Kissinger besser als seinen Landesvater Späth.