Von Klaus Viedebantt

Einst waren sie einig wie Brüder einer Sekte, Jetzt, wo die Gegner flotter Fahrt sich formieren, wo folglich Geschlossenheit nötiger wäre denn je, sind sie zutiefst zerstritten: die Porsche-Fahrer. Ihre Glaubensgemeinschaft, bislang nur durch die Finanzkraft geschieden in Turbo- und Nicht-Turbo-Piloten, ist in zwei auseinanderstrebende Lager zerteilt: die "Elfer" und die "Achtundzwanziger". Und wie bei allen rechten Glaubensstreitigkeiten geht es um nicht weniger als die Wahrheit.

Das einzig Wahre, so sagen die "Elfer", seien Porsche-Autos aus der Serie 911, jene schnellen "Heckschleudern" in der seit Jahrzehnten bekannten Flunderform, mit luftgekühlten, nunmehr sechs Zylinder zählenden Motoren hinter den Rücksitz-Rudimenten. Allein Autos dieser Bauart verdienten den Namen Porsche.

Verständlicherweise wollen die Besitzer des neuen Modells 928 von diesem Totalitätsanspruch der Heckmotorisierten nichts wissen. Schließlich haben sie 60 000 Mark bezahlt, um einen Porsche zu bekommen, einen mit wassergekühltem Acht-Zylinder-Motor und deutlich erhöhtem Fahrkomfort – in den Augen der "Elfer" also mit dem Makel des gänzlich anderen befrachtet.

Darf ein Porsche so schwer sein wie eine große Limousine (rund 1500 Kilogramm)? Darf er breiter sein als ein Rolls-Royce? Darf er von einem seit Jahrzehnten bewährten technischen Prinzip abrücken? Und darf er überhaupt ganz anders aussehen als die gewohnte, liebgewordene Flunder?

Die "Elfer" antworten notgedrungen rational und sagen: Gewiß darf er das. Aber unser 911 darf darüber nicht sterben.

Unberechtigt ist ihre Sorge nicht. Für das Zuffenhausener Automobilwerk ist die Heckmodellreihe technisch und finanziell am Ende. Die Zukunft liegt in der neuen Modellreihe: Wer künftig unter den erschwerten Bedingungen noch Sportwagen fahren und bezahlen kann, soll auf Luxus nicht verzichten müssen.