Neue politische Literatur zu Südafrika

Von Theodor Hanf

Das rhodesische Wahlergebnis war für die meisten Südafrikaner ein Schock. Premierminister Botha sprach zum erstenmal von der Notwendigkeit, mit Vertretern aller Bevölkerungsgruppen über die politische Zukunft des Landes zu verhandeln. Wie ernsthafte Verhandlungen aussehen könnten und über was zu verhandeln wäre, damit befassen sich

F. van Zyl Slabbert und David Welsh: "South Africa’s Political Options. Strategies for Sharing Power"; Rex Collings, London 1979, 196 S.

Der Soziologe van Zyl Slabbert ist seit einigen Monaten Oppositionschef im Kapstädter Parlament. Die von ihm gemeinsam mit dem Politik-Wissenschaftler Welsh entwickelten Vorstellungen sind inzwischen offiziell Politik der kleinen, liberalen Progressive Federal Party.

Slabbert und Welsh gehen davon aus, daß die Minderheitsregierung spätestens dann zum Verhandeln gezwungen sein wird, wenn die Kosten gewaltsamer Herrschaftserhaltung zu hoch geworden sein werden. Eine solche Situation wäre jener vergleichbar, in die Jan Smith Rhodesien hineingeführt hat. Die Kosten allerdings wären im Fall Südafrikas unvergleichlich höher; die Befreiungskriege in Moçambique, Angola und Zimbabwe wären "vergleichsweise trivial", gemessen am Leid und an den Zerstörungen, die ein Krieg in Südafrika mit sich brächte. Wichtiger noch: Keine Seite könne bei den gegebenen Kräfteverhältnissen sicher sein, einen Krieg entscheidend zu gewinnen – aber beide könnten ihn verlieren. Aber: Es ist keineswegs unvermeidbar, daß die Vertreter der Konfliktparteien erst auf Bergen von Leichen ihrer Anhänger einen Waffenstillstand schließen und Verhandlungen beginnen." Die Verantwortung dafür, daß es nicht so weit kommt, liege bei den jetzt Herrschenden. Aus den Fehlern eines Smith sollten sie lernen, daß "Verhandlungen für sie umso vorteilhafter sind, je früher sie beginnen".

Für echte Verhandlungen sehen die Autoren drei Vorbedingungen: Zum ersten muß die Regierung ihre Absicht erklären, daß sie die Verwirklichung voller Staatsbürgerrechte für alle Südafrikaner, einschließlich einer Teilhabe an der Regierungsgewalt, ohne einen Unterschied der Rasse erstrebe; zum zweiten ist die de-facto-Diskriminierung im täglichen Leben sofort abzuschaffen; schließlich muß sichergestellt werden, daß authentische politische Führer an den Verhandlungen teilnehmen und dies bedinge eine Amnestie, Aufhebung der Bannverfügungen, volle Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Nur in einem von Diskriminierung freien Klima kann verhandelt werden, und nur Verhandlungen repräsentativer Vertreter aller Gruppen haben Sinn.