Deutschlands schönste Ferienrouten (14): Die bayerische Ostmarkstraße / Von Peter Hays

Wir sind Asphalt-Surfer auf hoher, bayerischer See. So weit das Auge sieht, flutet ein grünes Meer waldgekrönter Kuppen bis zum breiten Horizont. Immer wieder gleiten wir an kleinen Inseln vorbei, an weißgetünchten Dörfern, die sich um zwiebeltürmige Kirchen scharen. Ringsum brandet der Forst. Und die schimmernde Spur, die vor uns über leicht verschwommene Waldbuckel kurvt? Bei einiger Phantasie ist sie die Fahrrinne eines Ozeandampfers mit Kurs auf Passau. Bei nüchterner Betrachtung allerdings nur die regennasse "Bayerische Ostmarkstraße": 275 Kilometer von Marktredwitz nach Passau, durch die Höhen und Tiefen des Fichtelgebirgs-, dann des Oberpfälzer und Bayerischen Waldes.

In Bayreuth braut sich ein Wagnerscher Orkan am Abendhimmel zusammen – die Festspiele sind nicht mehr allzuweit. Wir stechen lieber in den stillen Wald. Hinter Bischofsgrün türmt sich der Ochsenkopf auf, dem man eine Skischneise in die bewaldete Flanke geschlagen hat. Jetzt in der grünen Zeit fällt die Wunde besonders auf. In Kleinwendern wird uns Brombeerwein, der "Fichtelgebirgs-Whisky", geboten.

Der Knödel beherrscht die Speisekarte

Trotzdem unbeschadet gehen wir in Venedig vor Anker. So nennt sich, etwas abseits der Ferienstraße, kokett der winzige Ortsteil von Nabburg, dessen Bauernhäuser sich im Wasser der Naab spiegeln. Der kleine Fluß gluckst lauter Geschichten aus dem Fichtelgebirge, wo er herstammt. Außerdem füttert er das afrikanische Storchenpaar, das jeden Frühling auf der Turmspitze der romanischen Kirche von Perschen sein Nest bezieht, reichlich mit Fröschen.

Ende August, wenn die nächste Generation flügge wird, gibt’s dann immer wieder die gleiche aeronautische Schau. Mutter und Vater geben unbarmherzig erste Flugstunden: Sie schubsen ihre Sprößlinge einfach aus dem Nest. Die hüpfen senkrecht in die Luft, umkreisen mit verzweifelt schlagenden Flügeln die Turmspitze und sanken mehrmals ab – bis sie’s nach einigen Stunden ’raus haben und dem Rückflug nach Afrika nichts mehr im Wege steht. Die Oberpfälzer hegen und pflegen ihre Besucher aus dem Süden wie geflügelte VIP’s.

Größtenteils wortkarg und zurückgezogen sind sie, diese ländlichen Oberpfälzer. Der Tourismus, der inzwischen den Bayerischen Wald weiter südlich erobert hat, blieb noch weitgehend draußen vor den Toren und hohen Mauern ihrer Höfe. Für die niederbayerischen "Waldler" nebenan sind sie nun die Hinterwäldler im Lande.