Von Carl-Christian Kaiser

Düsseldorf, im April

Keine 24 Stunden dauerte es, bis die Plakate

mit dem Bild Heinrich Köpplers, auf denen er um Vertrauen für eine bessere Regierung warb, mit einem schwarzen Streifen versehen waren. Gleich nach dem Ratschlag ihrer Wahlkampfleitung waren die nordrhein-westfälischen Christlichen Demokraten unterwegs, um den Trauerbalken anzubringen: ein Zeichen der Betroffenheit, spontaner und unmittelbarer noch als alle Nachrufe – und ebenso ein Signal für den Vorsatz, den schweren Rückschlag, so gut es geht, schnell zu überwinden. Niemand zweifelt daran, daß an diesem Samstag die Landesversammlung der CDU Kurt Biedenkopf zum neuen Spitzenkandidaten küren wird. Zwei Wochen vor der Wahl hat die Partei auch gar keine andere Wahl.

Unerwartet sieht sich der "Professor Aufwärts", wie Biedenkopfs halb respektvoller, halb spöttischer Spitzname lautet, auf eine neue Stufe gehoben. Er war klug genug, sich nicht gleich selber zu inthronisieren. Doch natürlich beflügelt es seinen Ehrgeiz, daß ihm nun die Möglichkeit winkt, . Ministerpräsident jenes Bundeslandes zu werden, das noch immer als wichtigstes gilt. Unter normalen Bedingungen hätte er sich mit der Kandidatur für den Vizeposten und das Amt des Wirtschaftsministers begnügen müssen, und auch da von mancherlei zugekniffenen Augen in der Union verfolgt, selbst wenn er inzwischen schon mehr der Mann neben als nach Köppler war.

In solche Vorbehalte fließt vieles ein. Zuvörderst wohl die Wertschätzung für Heinrich Köppler, auch wenn sie nun eine Erinnerung ist – für den guten Menschen von Düsseldorf. Köppler war kein glänzender Vormann, aber ein unermüdlicher Kärrner, der die nordrhein-westfälische CDU, selbst wenn er zweimal nur ein erfolgreicher Verlierer war, wieder zum gefürchteten Rivalen der SPD und FDP gemacht hat. Doch bei allen harten Kontroversen blieb Köppler stets so integer, honorig und fair, daß selbst sein ehemaliger Gegenspieler Heinz Kühn sagt, er sei ein "schier freundschaftlicher Gegner" gewesen.

Heinrich Köppler war im Lande populär. Und noch mehr Ansehen genoß er in der eigenen Partei, zumindest in der rheinischen CDU, in deren christlich-sozialem Milieu mit der starken Stellung der Sozialausschüsse, der Katholik, obwohl selber kein Sozialpolitiker, tief verwurzelt war. Der Wirtschaftsprofessor Biedenkopf mit seinen Ordo-Maximen wird diesen Platz nie einnehmen können. Noch heute halten ihn viele, wären die Verhältnisse normal, in der rheinischen CDU nicht für mehrheitsfähig.