Beachtlich

"I wie Ikarus" von Henri Verneuil. In einem fiktiven Land wird der Präsident ermordet. Der Generalstaatsanwalt (Yves Montand) mißtraut den schlüssigen Erklärungen der Untersuchungskommission und recherchiert auf eigene Faust. Henri Verneuil hat seinem Film einen Satz von Boris Vian als Motto vorangestellt: "Diese Geschichte entspricht ganz den Tatsachen, da ich sie von Anfang bis Ende erfunden habe." Naheliegende Assoziationen an den Kennedy-Mord werden damit relativiert. "I... comme Icare" ist denn auch kein "Schlüsselfilm", der mit weiteren Mutmaßungen über die Hintergründe des Attentats von Dallas aufwartet (wie etwa David Millers "Executive Action", 1973), auch kein, historisierender Polit-Thriller, sondern eine politische (und psychologische) Parabel über die Mechanismen von Machtstrukturen. Kernstück des Films ist die Rekonstruktion eines wissenschaftlichen Experiments, das der amerikanische Professor Stanley Milgram 1963 an der Yale-Universität durchführte und das mit erschreckendem Ergebnis belegte, wie blinde Autoritätshörigkeit funktioniert: per Reflex; und nicht per Reflexion.. Verneuils Versuch, mit Hilfe der Milgramschen Testergebnisse zu einer griffigen These über die psychologischen Voraussetzungen einer möglichen Diktatur zu finden, bleibt jedoch letztlich zwiespältig. Wo der griechische Sagenheld Ikarus sich mit seinen wächsernen Flügeln der Sonne zu sehr nähert und abstürzt und der Staatsanwalt der Wahrheit gefährlich nahekommt und scheitert, da schwebt Action-Spezialist Verneuil ("Angst über der Stadt") in der ruhigen Sphäre zwischen routinierten Thrillereffekten und verbalen Verdeutlichungen. Dabei provoziert er zwar weder Emotionen (wie Costa-Gavras) noch Engagement (wie Emile de Antonio) – doch zum Nachdenken regt er immerhin an.

Helmut W. Banz

Annehmbar

"Damit ist die Sache für mich erledigt" von Jean-Jacques Annaud ist die burleske Mär vom Fall und Aufstieg eines Ersatzspielers (Patrick Dewaere) beim Fußballklub eines französischen Provinznestes, vom Aufstand eines Außenseiters, der stets auf der "falschen Seite" stand. Und der dort stehen bleibt, um zu sich selber zu finden. Der zweite Spielfilm von Jean-Jacques Annaud, "Coup de tête" im Original, ist gespickt mit vielen treffenden Seitenhieben auf Fußball-Hysterie, kleinbürgerliche Korruption und Spießermentalität, die jedoch durch mitunter allzu grobschlächtige Karikaturen einiges von ihrer Schärfe verlieren. Und da Drehbuchautor Francis Veber und Regisseur Annaud am Ende den erwarteten anarchischen Ausbruch dieses Provinz-Candide augenzwinkernd wieder entschärfen, werden die durchaus vorhandenen Ansätze einer galligen Satire vollends verschenkt Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

"La Luna" von Bernardo Bertolucci. "Die Traumfrau" von Blake Edwards. "Letzte Liebe" von Ingemo Engström. "Monarch" von Flütsch/Stelzer. "Fabian" von Wolf Gremm. "Der elektrische Reiter" von Sidney Pollack. "Blackout" von Nicolas Roeg. "Der Willi-Busch-Report" von Niklaus Schilling? "Palermo oder Wolfsburg" von Werner Schroeter. "Solo Sunny" von Konrad Wolf und Wolfgang Kohlhaase. "Vier irre Typen" von Peter Yates.