Der Markt für diesen Stoff ist vermutlich groß genug, um jedem einen Anteil zu sichern", schätzt ein New Yorker Marktforscher die Chancen von Firmen ein, die Interferon schon herstellen oder demnächst produzieren wollen.

Wichtigster Produzent ist nach wie vor der Interferon-Pionier Kari Cantell vom Zentrallabor für öffentliche Gesundheit des Finnischen Roten Kreuzes in Helsinki. Cantell gewinnt Leukozyten-Interferon (siehe Lexikon). Der große amerikanische Bedarf an dieser Interferon-Art wird jetzt zum Teil auch von den Warner-Lambert-Laboratorien gedeckt, die dem amerikanischen Krebsinstitut 50 Milliarden Einheiten für 1,6 Millionen Mark liefern sollen. Auch die Kosmetik-Firma Revlon plant die Produktion.

Die zweite einigermaßen gut untersuchte Interferon-Art stammt aus Bindegewebszellen (Fibroblasten); die nötigen Zellkulturen liefern unter anderem die Vorhäute beschnittener Knaben. Ein Pionier in der Produktion von Fibroblasten-Interferon ist die Firma Rentschler im oberschwäbischen Laupheim. Sie ist bis heute der weltgrößte Erzeuger dieses Stoffs – 30 Milliarden Einheiten jährlich.

Ab Mai wird Rentschler zusammen mit der US-Firma Flow Laboratories kleine Mengen Fibroblasten-Interferon für den reinen Laborbedarf unter dem Markennamen "Fiblaferon" vertreiben. Rentschier und Flow gewannen im März eine Ausschreibung der amerikanischen Regierung zur Lieferung von 50 Milliarden Einheiten für klinische Studien.

Fibroblasten-Interferon produzieren auch die amerikanischen Firmen Abbott Laboratories (zusammen mit der japanischen Takeda Drugs Corporation) und HEM Research sowie G. D. Searle & Co. im englischen High Wycombe (Partner: Mochida Pharmazeutika, Japan) sowie die israelische Yeda Research and Development Company. Yeda ist der kommerzielle Ableger des renommierten Weizmann-Instituts und arbeitet mit der Schweizer Ares-Gesellschaft, der amerikanischen Gentechnik-Firma Cetus und dem französischen Merieux-Institut zusammen.

Eine dritte Produktionslinie mit Zellkulturen verfolgen die Burroughs-Wellcome-Labors in London: Lymphoblasten-Interferon.

Die Hoffnung auf preiswertes Interferon ruht vor allem auf den Erfolgen der Gen-Ingenieure. Dem Zürcher Professor und Teilhaber der Firma Biogen, Charles Weissmann, gelang es als erstem, die menschlichen Gene für Leukozyten-Interferon mit Hilfe der Gentechnik in die Erbsubstanz von Coli-Bakterien einzuschmuggeln, so daß diese den gesuchten Stoff erzeugen. Ähnliche Erfolge melden inzwischen das amerikanische Labor des Schweizer Pharma-Riesen Hoffmann-La Roche (das mit dem Gentechnik-Unternehmen Genentech zusammenarbeitet), die Tokioter Krebsforschungsstiftung, der US-Chemietrust Du Pont sowie das israelische Weizmann-Institut. Die Experimente mit manipulierten Bakterien beschleunigen die Entschlüsselung der chemischen Struktur des Interferons. Falls nur ein Teil des Moleküls für die Wirkung zuständig ist, könnte Interferon auch chemisch synthetisiert werden – falls nicht, müssen Mikroben helfen.