DIE ZEIT

Bevor der Kanzler nach Moskau reist

Breschnjews Einladung an den Kanzler zu einem Besuch in Moskau hebt erneut die großen außenpolitischen Veränderungen in den letzten Jahren ins Bewußtsein: den weder in diesem Ausmaß noch in diesem Tempo vorgesehenen Zuwachs der weltpolitischen Mitverantwortung Bonns – nicht nur in den Augen Amerikas und Westeuropas, sondern ebenso in der Sicht des Ostens, auch des Fernen Ostens, und wichtiger Staaten in der Dritten Welt.

Heulen und Zähneknirschen

Tiefe Ratlosigkeit herrscht unter den Olympioniken. Unausweichlich rückt der Termin heran, bis zu dem allerorten im Westen die Sportler sich entscheiden müssen, ob sie dem Beispiel der Amerikaner folgen und den Spielen in Moskau fernbleiben oder nicht.

Sippenhaft auf amerikanisch

Ein Fall, zwei Vorgänge, und beide gleichermaßen beschämend. Der eine spielte im Orient: Eine Mutter aus Milwaukee wollte ihren Sohn wiedersehen, die jüngste der 51 Geiseln, die seit fünf Monaten in der Teheraner Botschaft festgehalten werden.

Achtung, Ölspuren!

Die Doppelkrise um Iran und Afghanistan hat in den letzten drei Monaten die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit voll in Anspruch genommen.

Zeitspiegel

Minister Kurt Gscheidle hat "freiwillig" auf den Wahlkreis in Neuss-Grevenbroich. verzichtet. Weniger vornehm gesagt: Sein eigener Personalchef im Ministerium, Hans Gottfried Bernrath, lief ihm den Rang ab als Wahlkreiskandidat.

Französische Affären: Blaues Blut und rauhe Sitten

Das Wort ist hart, aber es trifft: Michel Poniatowski ist eine Skandalnudel. Immer wieder taucht der Name des Fürsten Michel Casimir Poniatowski im Zusammenhang mit Affären und zweifelhaften Angelegenheiten auf, an denen es der Fünften Republik in letzter Zeit gewiß nicht mangelt.

Heinrich Köppler †: Er war eine Institution

An Heinrich Köppler als Oppositionsführer im Düsseldorfer Landtag hatte man sich zehn Jahre lang gewöhnt. Er war zur Institution geworden, mit dröhnendem Baß und freundlicher Verbindlichkeit, überall gegenwärtig und immer unauffällig.

Aufmarsch im Raum "40.40.20.70."

Auf der Karte im Lageraum des Nato-Hauptquartiers ist das geographische Koordinatensystem der drohenden Ost-West-Konfrontation eingezeichnet: Innerhalb der sechs Schnittfelder zwischen dem 40.

Berlinguer in China: Sanft wie ein Mandarin

Nicht bekehren und auch nicht bekehrt werden – mit dieser vorsichtigen Parole hat Italiens KP-Chef Berlinguer Anfang dieser Woche seine zehntätige Chinareise wie einen kunstvollen Eislauf hinter sich gebracht.

Wolfgang Ebert: Starten nach Moskau

Was kann Bonn noch tun, damit unser amerikanischer Verbündeter uns wirklich glaubt, daß wir keine Sportler zur Olympiade nach Moskau fahren lassen? Es könnte den Bundesgrenzschutz (BGS) einschalten.

Protest aus Ostberlin: Heuchler vom Abhör-Dienst

Das ZEIT-Dossier über die Abhörpraktiken des Bundesnachrichtendienstes (DIE ZEIT Nr. 14) hat die DDR-Presse zum Anlaß genommen, ausführlich über die "bespitzelten Telephonate von und nach der DDR" zu berichten.

Naher Osten: Autonomie in Agonie

Außer Spesen nichts gewesen? Haben die vier Tage höchster Diplomatie in Washington Carter nichts eingebracht, Sadat nicht zufriedengestellt, und Begin nicht glücklich gemacht? Oberflächlich betrachtet, war dieser geteilte Gipfel – jeweils zwei Tage konferierte Carter getrennt mit seinen Kompagnons aus seligen Camp-David-Zeiten – eine Veranstaltung um der Veranstaltung willen.

Iran: Präsident Bani-Sadr unter der Knute der Mullahs

Die Unruhen brachen in der vergangenen Woche an den Universitäten des Landes aus und haben bislang mindestens zehn Menschenleben und hunderte Verletzte gefordert: "Moslemische" Studenten der Mullah-Front hatten den Universitäten "eine islamische Kulturrevolution" verordnen wollen.

Zimbabwe: Ein Ende des Kolonialismus

Wohl kaum jemand hätte die Voraussage gewagt, daß die Übergabe der Macht von den 200 000 weißen Siedlern in die Hände der schwarzen Sieben-Millionen-Mehrheit so reibungslos vonstatten gehen würde, wie das nun geschehen ist.

Südjemen: Machtwechsel ohne Folgen?

Der Staatschef der Demokratischen Volksrepublik Jemen (Südjemen) und langjährige Generalsekretär der marxistisch orientierten Sozialistischen Partei Abdul Fattah Ismail ist entmachtet worden.

Europa droht die Balkanisierung

Es ist fast zehn Jahre her, seit ein gewisser Wieland Europa in der ZEIT das Totenglöcklein für das "Erste Europa" des cartesianischen Integrationsglaubens und der absurden agrarpolitischen Realität läutete und zugleich ein "Zweites Europa" forderte, das von der Zusammenarbeit zwischen Regierungen seinen Anfang nehmen müsse.

Das Ende einer Abhöraffäre: Recht in letzter Instanz

Ist es eigentlich ein Anlaß zur Freude, wenn in letzter Instant das Recht siegt? Oder liegt nicht die Besorgnis darüber näher, daß allzu viele sich ihm in den Weg gestellt haben, weil es sonst der letzten Instanz gar nicht bedurft hätte? Ein unbefangener Mensch könnte auf die Frage, was er unter Rechtsstaat versteht, durchaus antworten: Das ist ein Staat, in dem es dem Recht nicht schwergemacht wird, sich durchzusetzen.

Johann Baptist Rösler: Wie ein Therapeut

Der 26jährige ehemalige Drogenabhängige hat es geschafft – so will es scheinen. Nach erfolgreicher Langzeittherapie schließt er die Realschule mit der mittleren Reife ab und absolviert ein Praktikum als Photolaborant.

Gedenktafel: Namenlos?

Es gibt einen Dokumentarfilm über die Funde der Amerikaner im deutschen Konzentrationslager Buchenwald. Leichen, ausgemergelte Häftlinge, kaum kräftig genug zum Oberleben, eine Tischlampe aus Menschenknochen, gegerbte, mit Zeichnungen versehene Häute ermordeter Frauen.

Armee-Lauscher

Im Winter 1973 las der amerikanische Soldat Larry Johnson in Ebony – einem Wochenblatt der schwarzen Amerikaner – einen Bericht über die Kämpfe in der damaligen portugiesischen Kolonie Moçambique.

Fernseh-Zeit: Der Staatskanzlist

Im Südwestfunk von Baden-Baden grummelt’s. Vielen Redakteuren schmeckt ihr Viertele nicht mehr. Sie klagen – bisweilen auch vor Gericht.

Von der Seele geschrieben

Private Aufzeichnungen zur Bilanzierung des eigenen Wirkens oder über persönliche Erinnerungen gibt es viele, ohne daß die Öffentlichkeit etwas von ihnen erfährt.

Unsere Staatsorganisation ist an sich gut. Doch unsere Großstädte leiden. Ihr politischer Handlungsspielraum wird immer mehr eingeschränkt: Die unregierbare Stadt

Das Allgemeine ist einfach. Ein Mensch kann sich verhältnismäßig rasch auf dem Bonner Parkett den Ruf verschaffen, auf den Feldern der Sozial-, Wirtschafts-, Finanz- oder Innenpolitik ein Experte zu sein, wenn er wenige Zusammenhänge begreift, einige Begriffe sich aneignet und Zahlen und Prozente verwendet, wobei es nicht so sehr darauf ankommt, ob die Zahlen stimmen und von was die Prozente sind.

Wenn Wahlgeschenke als "Förderung" neuer "Technologien" verpackt und die Kritiker diffamiert werden:: Alte Tricks im neuen Gewand

Angriff ist die beste Form der Verteidigung – diese Regel gilt für Boxer ebenso wie für Politiker. Zu denen, die sie offenbar begriffen haben, gehört Bundesforschungsminister Volker Hauff, der an Kurt Biedenkopf – noch vor dem plötzlichen Tod des nordrhein-westfälischen Landtagswahl-Spitzenkandidaten Heinrich Köppler, dessen Nachfolge Biedenkopf nun angetreten hat – einen offenen Brief geschrieben hat.

Ein Hauch von Boykott

Wird Mannesmann zum zweitenmal ein Opfer des Ost-West-Konflikts? Während der großen Industrieschau in Hannover machten Gerüchte die Runde, daß dem rheinischen Stahlkonzern die für die Abwicklung eines Großauftrages aus der Sowjetunion beantragte staatliche Exportkreditversicherung von Bonn verweigert werden könnte.

Vernunftehe statt Liebesheirat

Nach dem Willen der Bundesregierung soll die deutsche Luftfahrtindustrie eine neue Struktur erhalten. Die beiden Luft- und Raumfahrtunternehmen MBB (München) und VFW (Bremen) sollen zusammengehen.

Fichtel & Sachs: Trux’ Fall

Walter Trux hat vergeblich um seinen Job gekämpft. Es kam so, wie es bereits vor Monaten (ZEIT Nr. 16) intern so gut wie entschieden war: Der Aufsichtsrat der Fichtel & Sachs AG, Schweinfurt, hat am Montag dieser Woche den definitiven Beschluß gefaßt, den Vertrag des 51jährigen Vorstandsvorsitzenden und früheren IBM-Topmanagers über das Jahresende hinaus nicht zu verlängern.

Zu liebliches Make-up

Er ist "praktisch immer ausverkauft" (so Leo Rettner, der Chef des Würzburger Juliusspitals) – der Wein von Main und Steigerwald, aus dem Tal der Tauber und der fränkischen Saale.

Deutsche in Amerika

Importe aus der Bundesrepublik spielen in den USA, gemessen an den Hohen Stückzahlen der Japaner, eine vergleichsweise geringe Rolle.

Zeit des Feuerns

Kühe auf den Weiden; Acker mit langen Reihen von Zwiebeln und Sellerie; baumumstandene Farmhäuser. In der nächsten Kreisstadt Goshen – 1400 Einwohner, fünf Kirchen – hört man auf der Hauptstraße das Getrappel der Pferde, die auf der 148 Jahre alten Trabrennbahn trainieren.

Einzelhandelsumsatz in zehn Jahren verdoppelt

Die Konzentration im Einzelhandel ist unverkennbar. Der mittelständische Einzelhandel – Ein-Laden-Betriebe und Filialketten mit bis zu vier Läden – mußte in den siebziger Jahren Einbußen hinnehmen.

ZEITRAFFER

Soviel wie in keinem Jahr zuvor haben deutsche Firmen 1979 im Ausland investiert: 7,81 Milliarden Mark. Damit erhöhte sich nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums das Volumen deutscher privater Direktinvestitionen auf 66,002 Milliarden Mark.

Ohne Einfluß

Benz: Der Streit bezieht sich nicht auf die grundsätzlichen Positionen. Ich bin nach wie vor der Überzeugung, daß die Ausgangspositionen und Grundsätze unserer Bildungsarbeit einheitlich sind, daß wir hier auch wieder eine gemeinsame Basis erreichen.

MANAGER UND MÄRKTE

Hat Forschungsminister Volker Hauff auf das falsche Pferd gesetzt? Mit großem Gefolge startete er im Herbst vergangenen Jahres einen Großversuch mit dem neuen "Autofahrer Leit- und Informationssystem (Ali)" in Nordrhein-Westfalen – jetzt zeigt Daimler-Benz auf der Hannover-Messe, von der öffentlichkeit bisher nahezu unbeachtet, den Prototyp eines "Routenrechners", der für weniger Geld nahezu den gleichen Nutzen verspricht wie das von Bonn geförderte Ali-System.

Im Prinzip: Hoffnung

Der Stoff, auf dem die Hoffnung ruht, verwirrt durch eine Reihe von paradoxen Eigenschaften: Er kommt im Körper jedes Menschen, in Tieren und sogar in Tabakpflanzen vor – und dennoch vermochten alle Forscher und Firmen, der Welt nicht einmal ein einziges Gramm zu isolieren.

Lexikon der Interferon-Forschung

Gen: Ein bestimmter Abschnitt der in den Chromosomen desZellkerns gespeicherten Erbinformation; mit der können bestimmte Gene gezielt verändert oder ausgetauscht (z.

Goldmine im Labor

Der Markt für diesen Stoff ist vermutlich groß genug, um jedem einen Anteil zu sichern", schätzt ein New Yorker Marktforscher die Chancen von Firmen ein, die Interferon schon herstellen oder demnächst produzieren wollen.

Firmen und Fakten

Nach dem § 247 BGB sind Kredite mit einem sechs Prozent übersteigenden Zinssatz jederzeit kündbar. Von dieser Möglichkeit haben in der Niedrigzinsphase 1977/78 zahlreiche Kreditnehmer Gebrauch gemacht.

Börsen-Report: Die Skepsis bleibt

Die Bemühungen, die Aktionäre mehr als bisher an den Unternehmensgewinnen zu beteiligen, zeigen Anfangserfolge. Besonders deutlich wurde dies an der Heraufsetzung der BASF-Dividende von sechs auf acht Mark, ein Schritt, mit dem nur wenige Börsianer gerechnet hatten.

ZEIT spart Geld

Zum 1. Mai tritt bei der Commerzbank für den Zahlungsverkehr mit der Privatkundschaft ein neues Gebührenmodell in Kraft, dessen Ziel es ist, die Kostendeckungsquote von bisher 20 Prozent auf rund ein Drittel zu verbessern.

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