Der Iran wird von inneren Unruhen gebeutelt: Linke und "moslemische" Studenten liefern sich erbitterte Schlachten.

Die Unruhen brachen in der vergangenen Woche an den Universitäten des Landes aus und haben bislang mindestens zehn Menschenleben und hunderte Verletzte gefordert: "Moslemische" Studenten der Mullah-Front hatten den Universitäten "eine islamische Kulturrevolution" verordnen wollen. Zu Wochenbeginn versammelten sich daraufhin etwa 50 000 zumeist linksgerichtete Studenten westlich des Teheraner Universitätsgeländes, um gegen die auch von der Regierung geforderte Schließung der politischen Hauptquartiere der Studentenorganisationen zu protestieren.

Inzwischen sind politische Aktivitäten an den iranischen Universitäten nur noch "im Rahmen der islamischen Verfassung" erlaubt. Mit diesem Zugeständnis an die "moslemischen" Studenten hat der iranische Präsident Bani-Sadr den wenig erfolgversprechenden Versuch unternommen, die Unruhen – besonders in Teheran, Schiras, Masbhad, Kermanschah und Täbris – durch ein Machtwort zu beenden.

Der greise Ajatollah Chomeini hatte diese Parteinahme der Regierung erzwungen, als er sich für ein "islamisches Universitätswesen frei von westlichen oder östlichen Einflüssen" aussprach. Darunter sei jedoch nicht eine völlige Veränderung des Lehrbetriebes oder der Lehrinhalte zu verstehen, sondern nur eine "islamische Atmosphäre" an den Hochschulen.

Unterdessen scheint aber das Prestige des iranischen Präsidenten trotz aller Botmäßigkeit gegenüber den Mullahs soweit in Mitleidenschaft gezogen zu sein, daß sich sein Büro genötigt sah, hartnäckige Gerüchte über einen bevorstehenden Rücktritt Bani-Sadr aufs schärfste zu dementieren. Solche Gerüchte entbehrten jeder Grundlage und seien von "Konterrevolutionären" verbreitet worden, um Unruhe zu stiften, hieß es.

Zur eigenen Entlastung enthüllte Bani-Sadr gleichzeitig ein angebliches Dokument des amerikanischen Sicherheitsberaters Zbigniew Brzezinski an US-Außenminister Cyrus Vance, aus dem hervorgeht, daß die Vereinigten Staaten Pläne zur Unterminierung des iranischen Regimes ausgearbeitet haben. In dem Brief hießt es unter anderem, daß Präsident Carter die "Einleitung von Aktionen befürwortet, die zu einer Veränderung der politischen Situation im Iran führen" könnten. Solche Aktionen – Details sind dem angeblichen Schreiben vom 6. August 1979 nicht zu entnehmen – sollten "mit dem Verteidigungsministerium, dem Geheimdienst (CIA) und anderen Büros und Organisationen, die dafür in Frage kommen, abgesprochen und koordiniert werden". Westlichen Journalisten wurde allerdings nicht die Möglichkeit gegeben, die Echtheit dieses Briefes zu überprüfen.

Die zweite Runde der Wahlen zum ersten nachrevolutionären Parlament ist derweil erneut auf den 9. Mai verschoben worden. Damit verzögert sich nochmals eine eventuelle Entscheidung des iranischen Parlamentes über das Schicksal der amerikanischen Geiseln in der besetzten US-Botschaft, die ohnehin nicht vor Ende Mai oder Anfang Juni erwartet wird.

Auch diese neuerliche Terminverschiebung auf Anweisung von Ajatollah Chomeini bestätigt, daß Ministerpräsident Bani-Sadr unverändert über nur sehr eingeschränkten politischen Bewegungsspielraum verfügt. U. V.