Hat Forschungsminister Volker Hauff auf das falsche Pferd gesetzt? Mit großem Gefolge startete er im Herbst vergangenen Jahres einen Großversuch mit dem neuen "Autofahrer Leit- und Informationssystem (Ali)" in Nordrhein-Westfalen – jetzt zeigt Daimler-Benz auf der Hannover-Messe, von der öffentlichkeit bisher nahezu unbeachtet, den Prototyp eines "Routenrechners", der für weniger Geld nahezu den gleichen Nutzen verspricht wie das von Bonn geförderte Ali-System.

Beide Systeme haben eines gemeinsam: Ein kleiner Computer im Auto soll dem Fahrer den besten Weg weisen und ihn sogar um Staus herumführen. Das von der Bosch-Tochter Blaupunkt und dem Volkswagenwerk entwickelte "Ali"-System bekommt seine Informationen direkt von der Straßenoberfläche: Induktionsschleifen signalisieren der Elektronik den Standort des Autos und melden die weitere Fahrstrecke.

Daimlers Routenrechner kommt ohne solche Induktionsschleifen aus. Bei diesem System ist eine Straßenkarte, ein "elektronischer Atlas", in jedem Rechner gespeichert. Informationen über Staus kann der Fahrer nach einer Warnung im Autoradio sofort eingeben, später einmal könnte das Radio direkt mit dem Computer gekoppelt sein.

Ohne Induktionsschleifen, die ja in die Straßenoberfläche verlegt werden müssen, ist das System von Daimler-Benz deshalb billiger. Die 350 Millionen Mark, die für eine Installation von "Ali" nur auf den Autobahnen erforderlich sind, ließen sich einsparen.

Die Stuttgarter jedenfalls halten ihr System für das geeignetere. Wohl deshalb haben sie auch auf Fördermittel aus Bonn für ihren Routenrechner verzichtet. Denn dann sind sie nicht, wie die Erfinder von "Ali", zur Weitergabe ihres Systems gezwungen.

Auch Forschungsminister Hauff allerdings hielt sich bei der Vorstellung von "Ali" eine Hintertür offen: Dieses sei "nur eines von verschiedenen technisch möglichen. Verkehrsleitsystemen", erklärte er zu Beginn des von Bonn mit zwölf Millionen Mark unterstützten Versuches. Vor einer endgültigen Entscheidung sei ein Vergleich mit anderen Systemen geplant.

Wenn Sprichwörter umkehrbar sind, kann mit dem im nächsten Jahr geplanten Teletex-Dienst der Deutschen Bundespost eigentlich nichts mehr schiefgehen: Denn "der Erfolg hat viele Väter" heißt es im Volksmund – und beim Teletex beanspruchen gleich mehrere Unternehmen die Vaterrolle: Siemens Vorstandsmitglied Heinz Gumin verwies auf der Hannover-Messe fein darauf, daß sein Unternehmen sich "basierend auf seiner Pionierrolle" auf diesem Markt beträchtliche Zukunftschancen ausrechnet, die AEG-Tochter Olympia ließ verkünden, die "Plätze für die Textkommunikation" seien "mit Förderung durch den Bundesminister für Forschung und Technologie von AEG-Telefunken, Telefonbau und Normalzeit und Olympia" entwickelt worden; und Philips hatte schon vor der Messe seine Urheberschaft angedeutet.