Schmerzhafte Regelblutungen, unter denen nahezu jede zweite Frau leidet, können jetzt nachhaltig gelindert und in absehbarer Zeit vielleicht gar beseitigt werden. Diesen Schluß zogen Ärzte aus der neuerlichen Überprüfung mehrerer Antirheumamittel, die an der Universitätsklinik Bern und dem Cornell Medical College in New York getestet wurden. Übereinstimmende Beurteilung der Wirkqualitäten: "Gut bis exzellent." Die gestrenge US-Arzneimittelbehörde FDA hat zwei der Chemikalien (Ibuprofen und Mefenaminsäure) – in der Bundesrepublik sind sie als "Brufen" und "Parkemed" im Handel – unlängst zur Verschreibung freigegeben.

Ausgangspunkt der klinischen Tests war die Feststellung, daß bei schmerzhafter Menstruation das abgehende Blut ungewöhnlich hohe Prostaglandinwerte (PG) aufweist. Deren schmerzunterhaltende Wirkung wird gemeinhin vom weiblichen Geschlechtshormon Progesteron neutralisiert. Mit dem in der Regel verbundenen Absinken dieses Hormons gegen Ende des Zyklus kommt es freilich zu exzessiven PG-Konzentrationen. Andererseits wiesen Labordaten nach, daß einige Antirheumatika die Synthese und Wirkung wenigstens zweier Prostaglandine (PGF 2 und PGE 2) unterbinden oder hemmen können.

Diese archaischen Kontrollmoleküle – sie kommen schon in Seetang und Korallen vor – wirken nur in eng umschriebenen Gewebsabschnitten und zählen zu den potentesten Wirkstoffen der Natur. Schon ein millionste! Gramm ruft im menschlichen Körper ebenso meßbare wie paradox anmutende Folgen hervor: Nach Eröffnung der Fruchtblase etwa garantieren sie eine beschleunigt ablaufende Geburt und wirken dabei indirekt schmerzlindernd. Die scheinbar allzu hohe Konzentration in der Schleimhaut der Gebärmutter, hingegen unterhält den Schmerz.

Eine Kontrolle der üblen Regelbeschwerden erschloß sich aus den vielfältigen Funktionen der Prostaglandine im Organismus. So war aus der Therapie rheumatischer Erkrankungen bekannt, daß es auch Prostaglandine sind, welche die gefürchteten chronisch-schmerzhaften Entzündungsreaktionen an Gelenken unterhalten. Diese Reaktionen werden unterdrückt, sobald es – mit Antirheumatika – gelingt, die Synthese der aus ungesättigten Fettsäuren gebildeten Prostaglandine zu hemmen. Angriffspunkt ist hierbei die Prostaglandin-Synthese, die zum Beispiel von Acetylsalicylsäure ("Aspirin") irreversibel, von anderen Pharmaka hingegen reversibel gehemmt wird. Dadurch wird die Bildung bestimmter, die Nervenendigungen reizender Zwischenprodukte und der direkte Effekt auf die Muskulatur der Gebärmutter – ein irregulärer Kontraktionsrhythmus, der als schmerzhaft empfunden wird – gedrosselt.

Ibuprofen nun stoppt die PG-Synthese insgesamt, Mefenaminsäure unterbindet zudem die muskuläre Wirkung. Beide Substanzen erwiesen sich als schmerzdämpfend, und sie reduzierten die zuvor abnormen PG-Werte im abgehenden Blut.

Ein prinzipielles Hindernis auf dem Wege zur Beseitigung des Blutungsschmerzes freilich gilt es noch zu überwinden. Ein Kontrollprinzip der Prostaglandine ist ihre lokale Wirksamkeit. Die beiden Pharmaka hingegen wirken mit unerwünschten Nebenwirkungen auf den gesamten Organismus. Forscher des amerikanischen Pharmakonzerns Upjohn entwickeln gegenwärtig Zäpfchen, die einen (im Jargon der Biochemie) Prostaglandin-Synthetase-Inhibitor ausschließlich über eine genau festgelegte Distanz freisetzen sollen. Peter Jennrich