Von Heinz-Günter Kemmer

Als erster klagte Hellmuth Buddenberg, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen BP, der Öffentlichkeit sein Leid. Wie sich das für den Repräsentanten des größten deutschen Mineralölunternehmens gehört, tat er das vor einem Millionenpublikum. Buddenberg offenbarte in der "Bilanz"-Sendung des Zweiten Deutschen Fernsehens, daß sein Unternehmen das erste Quartal 1980 mit einem Verlust von vermutlich 150 Millionen Mark abschließen werde.

Vierzehn Tage später stimmte ein Vertreter des zweitgrößten deutschen Ölkonzerns in die Elegie des BP-Chefs ein. Klaus G. Giesel, Vorstandsmitglied der Veba Oel und Vorstandsvorsitzender der Vertriebstochter Raab Karcher, offenbarte dem Handelsblatt: Man brauche je Liter Mineralölprodukt eigentlich fünf Pfennig mehr, um so gerade über die Runden zu kommen. Der Umkehrschluß: Die Veba verlor zu diesem Zeitpunkt – Anfang April – je Liter fünf Pfennig und je Tonne fast sechzig Mark. Daraus läßt sich ein Verlust von etwa einer Milliarde Mark für den Fall hochrechnen, daß dieser Zustand ein volles Jahr lang anhält.

Dabei befinden sich BP und Veba durchaus in guter Gesellschaft, denn auch die Deutsche Shell hat das erste Quartal mit einem – bisher noch nicht bezifferten – Verlust abgeschlossen. Um so ärgerlicher reagierte die Branche, als der Esso-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Oehme gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte: "Die Steigerung der Kosten beim Rohöl, aber auch bei den importierten Fertigprodukten, hat dazu geführt, daß einige Gesellschaften schon wieder mit Verlust arbeiten. Wir nicht."

Dieses "wir nicht" nimmt man dem Esso-Chef in der Branche allerdings nicht ab. Kommentar eines Konkurrenten: "Soviel besser kann der Oehme gar nicht sein." Auf inniges Befragen gibt man bei der Esso denn auch zu, daß sich Oehmes Aussage auf das ganze Quartal, nicht jedoch unbedingt auf jeden einzelnen Monat beziehe. Esso-Sprecher Thomas Ukert: "Das Ergebnis hat sich von Monat zu Monat verschlechtert."

Der Verbraucher, dem in diesem Jahr schon elf Pfennig je Liter auf die Benzinrechnung aufgeschlagen worden sind, reibt sich verwundert die Augen. Im vorigen Jahr haben die Gesellschaften klotzig verdient, jetzt sind die Preise weiter gestiegen und dennoch soll die Kasse nicht stimmen? Aber die Rechnung der Konzerne ist richtig–wenn das Rohöl jeweils zu den Wiederbeschaffungskosten in die Kalkulation eingeht.

Der Rohölpreis, der frei deutsche Grenze im September vergangenen Jahres noch bei 314 Mark je Tonne lag, ist bis März auf 486 Mark geklettert. Das ist ein Aufschlag von rund 55 Prozent. Der Raffinerieabgabepreis für das Hauptprodukt leichtes Heizöl stieg dagegen im westdeutschen Raum nur von 40,4 Pfennig je Liter Ende September auf 48 Pfennig Anfang April. Das waren nur knapp 19 Prozent. Diese Differenz macht die ganze Misere der Branche deutlich.