Die energische Bekämpfung säurehaltiger Niederschläge ist Überfällig

Von Jörg Reckmann

Sauer wie Essig war der Regen, der im April 1974 auf das schottische Pitlochry niederging. Wenig später schütteten die Wolken ihr angesäuertes Naß über der norwegischen Küste aus. In den USA meldeten San Franzisko, Los Angeles, Seattle und Landstriche in den Rocky Mountains saure Niederschläge – Regen mit einem Säuregrad, der zehnmal über dem üblichen Maß lag.

Was lange als Ausnahme galt, ist inzwischen zur Regel geworden. Der Säuregehalt von Regen und Schnee stieg in den letzten 20 Jahren parallel zu dem wachsenden Verbrauch fossiler Brennstoffe kontinuierlich an.

Besonders in den Vereinigten Staaten, in Kanada und Nordeuropa sorgte der saure Niederschlag für erhebliche Umweltschäden. Bislang drang die zersetzende Wirkung schmutziger Luft vor allem dank der zerstörten Fassaden alter Gebäude und den am Lochfraß zerbrochenen Kirchenfenstern ins Bewußtsein der Umweltschützer und Politiker. Doch nun zeugen Tausende von Quadratkilometern fischloser Seen und noch größere Flächen mit nachhaltig gestörtem Pflanzenwachstum, daß wir – die Industrienationen – auch das Sinnbild reiner Natur vergiften: den Regen.

Das Problem ist seit Jahren erkannt. Dennoch drohen in Zukunft noch mehr unsichtbare Exportgüter aus den Schloten der Industriezentren den kühlen, klaren Norden in einen toten, sauren zu verwandeln – und nicht nur ihn. Denn sowohl die USA wie auch die Bundesrepublik bemühen sich energisch, die Energieerzeugung mit politisch riskantem Erdöl auf weniger krisenanfällige Kohle umzustellen. Mehr Strom aus Kohle aber heißt auch mehr Schwefeldioxid in der Luft – und dies bedeutet: noch mehr Säure im Regen mit kaum absehbaren Folgen für die Umwelt und damit für uns selbst.

Dreck aus Japan in Alaska