Wenn der sozialdemokratische Abgeordnete Diederich auf sein Reizthema zu sprechen kommt, kennt er keine Parteien mehr, sondern nur noch Raucher und Nichtraucher. Nachdem er in der Fragestunde auf, den Mißstand hingewiesen hätte, daß einerseits das Gesundheitsministerium eine große Aufklärungskampagne über die Schädlichkeit des Rauchens veranstalte, andererseits aber "die raffiniert mit Sex- und Potenzsymbolen betriebene Zigarettenreklame fortgesetzt wird", knöpfte sich der Abgeordnete das Kabinett vor.

Wäre es nicht dringend notwendig, so forderte Diederich, "einen Kabinettsbeschluß herbeizuführen, durch den sich Regierungsmitglieder verpflichten, ihre Abhängigkeit vom als schädlich erkannten Rauchen nicht mehr in der Öffentlichkeit, vor allen Dingen vor dem Fernsehpublikum, zu demonstrieren"?

Der Parlamentarische Staatssekretär Zander vom Gesundheitsministerium wog in seiner Antwort Staatsnutzen und Freiheitsrechte sorgfältig ab: Die Regierung wolle nur aufklären, sie habe aber "nie die Absicht verfolgt, einzelnen oder der Gesamtheit das Rauchen zu verbieten".

Doch Diederich – den zigarettenrauchenden Kanzler oder den pfeifeschmauchenden Oppositionsführer vor Augen – bohrte weiter: ob beispielhaftes Fehlverhalten nicht unerwünschte Wirkungen haben könne? Zander entgegnete diplomatisch: gute und schlechte Beispiele seien wirksam. Die Fachleute indes gingen davon aus, "daß die schlechten Beispiele eine noch stärkere Wirkung haben können".

Zwischenruf des CSU-Abgeordneten Kunz: "Das gilt auch für das Schnupfen!" Hier freilich griff Bundestagspräsident Stücklen ein, der, wenn es um die bayerische Wirtschaft geht, auch keine Parteien mehr kennt und sogar den SPD-Kanzler, sofern er schnupft, mit wohlwollender Milde betrachtet. "Herr Abgeordneter Dr. Kunz", korrigierte er resolut seinen Landsmann, "das gilt für Schnupfen nicht. Als Abgeordneter aus Bayern sollten Sie wissen, daß die Hauptproduktionsstätten des Schnupftabaks in Bayern liegen, und nicht geschäftsschädigende Zwischenbemerkungen machen."

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Die von der Wahlkampfkommission der CDU/CSU in mühsamer Arbeit ausgetüftelte Wahlkampfplattform befriedigt Franz Josef Strauß offenbar nicht. Er hatte sich vorbehalten, eine Präambel dafür zu verfassen; jetzt, reichlich spät, hat er sie abgeliefert, und sie ist – 14 Seiten lang – eine Art Strauß-Programm: Die Geopolitik verdrängt die Gesellschaftspolitik,