Innerhalb von zwei Wochen sind die Renditen der deutschen festverzinslichen Wertpapiere um rund ein Prozent auf annähernd neun Prozent gesunken. Die dadurch ausgelösten Kurssteigerungen haben neue Käufer angelockt. Ist das Ende der Hochzinsphase jetzt erreicht?

Die Experten des Rentenmarktes halten sich mit Prognosen zurück. Zu oft haben sie sich in der zurückliegenden Zeit blamiert. Um so stärker trommeln die Börseninformationsdienste. "Steht jetzt die Welt vor der größten Rentenhausse aller Zeiten?" – fragt PM Portfolio Management in München, eine Institution, die in der Vergangenheit gelegentlich den Mut hatte, gegen den Strom der allgemeinen Meinung zu schwimmen. Was sich hinterher aber nicht in allen Fällen als richtig erwies. "Rechnen Sie mit einem Nachkriegstief im Kapitalmarktzins", beantwortet dieser Informationsdienst die von ihm selbst gestellte Frage.

Ihren Ausgangspunkt nahm die Hausse deutscher Anleihen und Pfandbriefe in den USA. Dort haben einige Banken ihre Zinssätze leicht zurückgenommen. Obwohl sie immer noch zwischen 19 und 20 Prozent liegen, nehmen die amerikanischen Börsen dies zum Anlaß, ihre festverzinslichen Papiere haussieren zu lassen. Die Kurse kletterten in kurzer Zeit um 10 bis 15 Prozentpunkte. Die lang erwartete Zinswende war für viele Amerikaner nun endlich Wirklichkeit geworden.

Einiges deutet tatsächlich darauf hin, daß die Restriktionsbremse allmählich Wirkung zeigt und die angestrebte wirtschaftliche Rezession allmählich einsetzt. Die Neubauvorhaben sind im März gegenüber dem Vormonat um fast 22 Prozent zurückgegangen, die Industrieproduktion wies mit -0,8 Prozent ebenfalls gegenüber dem Februar einen Rückgang auf und die Einzelhandelsumsätze schwächten sich um 1,3 Prozent ab.

Natürlich wird dies noch nicht reichen, um die Geldentwertung in den USA unter Kontrolle zu bringen. Aber die steigende Arbeitslosenrate zeigt deutlich den einsetzenden Konjunkturrückschlag. Niemand sollte indessen übersehen, meine verehrten Leser, daß der Zins in den USA nicht nur eine Konjunktursteuerungsfunktion hat; er soll darüber hinaus, zur Stabilität des Dollar beitragen. Notenbankchef Volcker dürfte nicht zögern, die Geldmenge in den USA wieder einzuschränken und damit das Geld teurer zu machen, falls der Dollar in eine neue und nachhaltige Schwächephase eintreten sollte. Die Grenzpflöcke sind deshalb eng gesteckt.

Und das trifft auch für die deutsche Zinssituation zu. Über den Kapitalmarktzins versucht die Bundesbank einerseits die Geldentwertung wie? der unter Kontrolle zu bekommen, zum anderen kann ihr auch aus Gründen der Zahlungsbilanz nicht daran gelegen sein, durch einen niedrigen deutschen Zins Anreize zur Kapitalverlagerung in die USA zu schaffen. An einer nennenswerten Zinssenkung zum gegenwärtigen Zeitpunkt dürfte den deutschen Währungshütern also nicht gelegen sein.

Das kann sich ändern, wenn sich – wie vielfach vorausgesagt – die deutsche Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte abschwächt. Heute läßt sich vielleicht dies mit einiger Sicherheit sagen: Der Zinsgipfel dürfte auch bei uns erreicht sein. Ein etwaiger Zinsabstieg wird sich jedoch mit Sicherheit nicht in gerader Linie vollziehen, sondern unter Schwankungen.