In Jinja überquerten wir die berühmten Owensfälle; sie regulieren die Wassermengen des Nils und liefern Energie für die Metall- und Textilindustrie der Stadt. Hier kontrollierte uns wieder tansanisches Militär. Wir näherten uns Kampala.

Schon von weitem sieht man die Skyline dieser modernen Hauptstadt. Hochhäuser, protzige Banken, ein imposantes Parlamentsgebäude (noch aus der Zeit des von Amin verjagten Ministerpräsidenten Obote) geben der Stadt ein fast europäisches Gepräge. Als wir langsam durch die Hauptstraßen fuhren, sahen wir die Folgen des Krieges: ausgebrannte Häuser, geplünderte Geschäfte, die meisten Läden sind mit Brettern vernagelt. Ein deprimierender Eindruck. Die vielen Menschen in den Straßen gingen wieder ihren Geschäften nach. Sie wirkten nicht ärmlicher als in anderen ostafrikanischen Ländern auch.

Das Schweizer Ehepaar, das uns zuvor in Nairobi so freundlich eingeladen hatte, empfing uns in seinem Haus mit rührender Herzlichkeit. Unsere Gastgeber waren glücklich, nach zwei Wochen Abwesenheit ihr Haus wohlbehalten wiedergefunden zu haben: Es wird viel eingebrochen. Aber ihre schwarze Dienerschaft hat gut aufgepaßt, besser als bei einem ihrer Freunde, der nach dem Weihnachtsurlaub sein Haus völlig ausgeräumt vorfand.

Von Zeit zu Zeit lauschten wir, ob nicht Schüsse fallen. In den letzten Monaten war man so an dieses Geräusch gewöhnt, daß die Schweizer ganz erstaunt waren, als alles ruhig blieb. "Zwei Jahre arbeiten wir hier jetzt für ein Entwicklungsprojekt", erzählte unser Hausherr. "Bei Kriegsausbruch hatten wir uns gerade die Wohnung fertig eingerichtet. Wir mußten fliehen. Als wir nach drei Monaten zurückkehrten, war alles ausgeplündert. Zum Glück konnte unsere Firma dieses Haus möbliert mieten. Man kann hier ja fast nichts mehr kaufen. Das Lebensnotwendige wird für uns aus Europa eingeflogen." – "Glauben Sie, daß es jetzt im Land ruhig bleiben wird?" – "Wir können es nur hoffen, denn das Land braucht alle Kräfte, um aus dem finanziellen Ruin herauszukommen. Die Inflation ist horrend. Die Tansanier, die im Kampf gegen Idi Amin geholfen haben, führen jetzt fast alle unsere Exportgüter über ihr eigenes Land aus – und verdienen ganz schön dabei."

Ein Besuch auf dem Markt am nächsten Morgen bewies den Preisgalopp: Ein Ei kostete umgerechnet 2,70 Mark, ein Kilo Kartoffeln 5,50 Mark, Gemüse und sogar die reichlich vorhandenen Bananen waren ebenso teuer. Wir freuten uns unserer Konserven und leisteten uns nur ein Pfund Brot – für fünf Mark.

Unser nächstes Ziel war der Kabalega-Park im Norden des Landes, meist unter dem alten Namen Murcheson Falls-Nationalpark bekannt. Die Ausfahrt aus Kampala war schwer zu finden, Wegweiser gibt es nicht, Auskünfte sind meist nicht zuverlässig. Eine italienische Botschaftsangehörige sah unsere Nöte und lotste uns auf die richtige Ausfallstraße.

Bald wurde die Gegend einsamer, das Weideland für die langhörnigen Watussi-Rinder ging in Moor und schließlich in trockenes Buschland über. Ein zerschossener Panzer lag am Weg, ein Überbleibsel der flüchtenden Truppen. Kurz vor dem Eingang zum Kabalega-Paß überquert die Straße die Goragung-Stromschnellen des Nils. Von den Karuma-Falls stürzen gewaltige Wassermengen in die Tiefe. Der Blick von der Brücke ist überwältigend. Ich stieg aus, um das grandiose Schauspiel zu filmen.