Nach dem Willen der Bundesregierung soll die deutsche Luftfahrtindustrie eine neue Struktur erhalten. Die beiden Luft- und Raumfahrtunternehmen MBB (München) und VFW (Bremen) sollen zusammengehen. Darüber wird seit zweieinhalb Jahren verhandelt. Anfang des Jahres wurden die ausgehandelten Pläne blockiert; weil sich ein amerikanischer Gesellschafter querlegte.

Es waren einmal sieben Zwerge, die sich in der Hauptsache mit dem Bau von Holzmodellen futuristischer Flugzeuge beschäftigten. So etwa könnte eine Nachkriegsgeschichte der deutschen Luft- und Raumfahrtidustrie beginnen. Am internationalen Maßstab gemessen waren es bessere Klempnerwerkstätten, die vom Verteidigungsministerium mit dem Nachbau amerikanischer und französischer Flugzeugtypen für die deutsche Luftwaffe beschäftigt wurden.

Heute, ein Vierteljahrhundert später, präsentiert sie sich auf der Luftfahrtschau in Hannover als eine respektable Industrie, die international anerkannte Spitzenleistungen der Technologie vorweisen kann – aufgepäppelt mit. Milliardenaufträgen aus dem Verteidigungs- und aus dem Forschungsministerium, mit Milliardendarlehen und Bürgschaften auch aus dem Wirtschäftsministerium. Von den sieben Zwergen blieben drei Unternehmen übrig, die im internationalen Konzert mitspielen können, begehrte Partner bei multinationalen Projekten! in der Luft- und Raumfahrt.

Eine Erfolgsstory also. Und dennoch ist die deutsche Luftfahrtindustrie für Bonn ein Sorgenkind.

Martin Grüner, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und von der Bundesregierung zum Koordinator für die Luft- und Raumfahrtindustrie bestimmt, tritt seit langem dafür ein, daß sich die Unternehmen zu einer deutschen Einheitsgesellschaft zusammenschließen. Doch die Gesellschafter der Unternehmen wollten nicht so, wie Grüner wollte.

Der FDP-Politiker, dessen Partei sonst die Fahne des Wettbewerbs in der Industrie hochhält und jedwedem Dirigismus abhold ist, sah die Sache so: In der Luftfahrtindustrie sind die Produktionskosten zu hoch; Rivalitäten zwischen den Unternehmen verhindern, daß alle Rationalisierungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden; Gemeinkosten fallen mehrfach an; in mehreren Bereichen gibt es Doppelkapazitäten.

Seine Forderung: Die Industrie muß rationalisieren und ihre Kapazitäten so gestalten, daß sie elastisch reagieren kann. Sie muß flexibel genug sein, Produktionen zwischen den einzelnen Werkstätten verlagern und auch schnelle Aufträge erledigen können. Denn Was nutzt es beispielsweise, wenn die Airbus-Verkäufer Monat für Monat neue Aufträge hereinholen, die Produktion aber nicht nachkommt?