Seine Nachfolger sind nun auf die nationale Lösung eingeschwenkt. Sie wollten die deutschen VFW-Anteile übernehmen zum "Nulltarif" (und möglichst noch mit einer Belohnung durch die Bundesregierung) und ohne Beteiligung der Ausländer aus "Gründen der Sicherheitspolitik".

Die Holländer sträubten sich lange und schieden erst Anfang dieses Jahres aus. Der deutsch-holländische Konzern VFW/Focker wurde nach zehnjähriger Existenz Wieder aufgelöst. Inzwischen war aber von einem "Nulltarif" längst keine Rede mehr. VFW hatte sich in der Zwischenzeit so weit erholt, daß die Gesellschafter selbstbewußt ihren Preis forderten.

Dem ersten Fehlschlag folgte der zweite auf dem Fuß. Leichtfertig und offenbar ohne die alten Verträge durchzuarbeiten, gingen die deutschen Gesellschafter davon aus, daß der amerikanische Partner United Technologies (UTC) seinen 26,4-Prozent-Anteil an VFW verkaufen würde. Doch Mitte Januar erklärte UTC-Boß Harry Gray lapidar: "Wir verkaufen nicht. Im Gegenteil." Und das bezieht sich wohl auf eine alte Vertragsklausel, daß UTC ein Vorkaufsrecht auf die Krupp-Anteile bei VFW (35,2 Prozent) hat; Die von MBB geforderte Lösung "ohne Ausländer" ist damit geplatzt.

Aber muß es unbedingt eine nationale Lösung sein? Schließlich kann atlantische Zusammenarbeit nicht immer nur in Sonntagsreden beschworen, sie muß auch praktiziert werden. Und die Zusammenarbeit mit einem Konzern, der Forschung und fortschrittliche Technologie als die wichtigsten Punkte seiner Unternehmensphilosophie betrachtet, kann auch der deutschen Luftfahrtindustrie nur nützlich sein.

Immerhin: Von den VFW-Gesellschaftern war Anfang dieses Jahres nur Harry Gray bereit, dem Management 60 Millionen Mark für notwendige Investitionen vorzustrecken.

Aus München kommen inzwischen schrille Kommentare: Es sei nun an der Zeit, daß die Bundesregierung ein Machtwort spreche und die Amerikaner zur Vernunft bringe – Was wohl nur heißen kann, daß UTC seinen Anteil abgeben soll. Die Bundesregierung aber – zwar tief verstrickt in die Affären der deutschen Luftfahrtindustrie, aber zu einer Zuschauerrolle verurteilt – kann allen Seiten nur gut zureden und abwarten.

Und mehr sollte sie im Augenblick auch nicht zu tun versuchen. Denn die Frage bleibt: Muß es eigentlich eine Fusion geben, unbedingt und jetzt? Der Zusammenschluß allein garantiert noch keineswegs mehr Rationalisierung, höher! Produktivität und größere Effizienz. Und das von den Geschäftsführungen der beiden Unternehmen mit vielen Mühen ausgearbeitete Werkstättenkonzept zur Verteilung der Produktion auf die vorhandenen Werke kann auch in Kooperation verwirklicht werden.

Aus einer Phase ruhiger Zusammenarbeit kann dann noch immer eine Ehe werden – sicher keine Liebesheirat, aber eine Vernunftehe.