Es folgen etwa dreißig Seiten über Exil und Heimatliebe aus eigenem bitteren Erleben und geschichtlicher Kenntnis, mit überzeugenden Argumenten, aber doch klischeehaft in der Wirkung.

Im Juni 1936 ging Kühn nach Brüssel Einladung des sozialdemokratischen Vorsitzenden einer großen Freidenkerorganisation. Mit diesem hat er eine gleichsam überparteiliche Wochenzeitung gegen das Hitler-Regime herausgegeben. Die schwierigste und gefährlichste Funktion war Expedition der Leitung nach Deutschland. Auf Druck Berlins hin mußten belgische Beamte der Gestapo Hilfsdienste leisten, Kühn ist ein paarmal in Deutschland gewesen mit einem tschechischen Innenminister "gut gefälschten" Paß. Über den Zweck der Reise sagt er leider nichts. Peinlich ist der Satz; "Am 23. August 1939 hatten Stalin und Hitler ihren – geschlossen, am 26. August schlossen Marianne und ich den unseren: wir heirateten."

Als im Mai 1940 der Krieg gegen. Belgien begann, floh Heinz Kim mit seiner Frau in einem riesenhaften chaotischen Strom von Soldaten und Zivilisten in die äußerste Ecke Belgiens, nahe Dünkirchen. Nach ihrer Rückkehr versteckte sie ein belgisches bei sich in Brüssel. Kühn mußte im Kohlenkeller ausharren. Es gelang, gefälschte belgische Identifikationspapiere zu beschaffen. Aber Kühn blieb in Gefahr, durch die deutsche Gestapo und durch die belgischen Kollaborateure. Wäre er als Herausgeber einer Widerstandszeitung in die Hände der Nazis gefallen, so hätten sie ihn umgebracht. Aber als Belgier konnte er zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt werden. Auch dieser Gefahr verstand Kühn sich zu entziehen. Seit Stalingrad gelang es ihm, Fühlung mit ähnlich gestimmten jüngeren deutschen Offizieren aufzunehmen. Er setzte "Freiheitsbriefe" zum Sturz Hitlers auf und versandte sie auf geheimen Wegen.

In seinem Buch bringt er einige Texte und ebenso den auszugsweisen Abdruck eines Memorandums "In letzter Stunde" für "ausgesuchte hohe Offiziere" über die Zukunft Deutschlands nach dem Kriege mit nur aus der damaligen Widerstandsstimmung begreiflichen höchst optimistischen Aspekten Erstaunlich ist die Vitalität und Hartnäckigkeit dieses ständig Verfolgung ausgesetzten, vielfach hungernden Mannes, der findig und mühsam Arbeit suchen mußte, um überhaupt existieren zu können. Dabei findet er noch Zeit, sich in der Genter Universitätsbibliothek Unterlagen für seine Widerstandskampfrede zu beschaffen.

Er muß ein sehr sympathischer, cleverer, besonnen-mutiger junger Mann gewesen sein. Man merkt es, wie er aufgenommen, wie ihm geholfen wurde von Emigranten, Tschechen, Belgiern, und Engländern, an seinen Beziehungen und Begegnungen.

Nach Abzug der Deutschen blieb, er in Belgien, auch nach der bedingungslosen Kapitulation vom 8. Mai. Gleich fing er an, durch Korrespondenz und publizistisch für das "neue Deutschland" leidenschaftlich zu wirken. Das war in dem begreiflich fanatischen deutschfeindlichen Milieu nicht leicht. Die Engländer, die zunächst Belgien besetzten, verhinderten die Heimkehr, Sie wollten zunächst in Deutschland keine Emigranten haben, deren politische Aktivität sie fürchteten, aber Kühn drängte unentwegt; und erreichte mit englischer wie belgischer Hilfe seine Rückkehr im Spätsommer 1945,

Historisch sehr ergiebig ist das Buch nicht, ebensowenig von besonderer literarischer Qualität, Zudem ist, es in der Anlage diffus. Für Kühns Hausgebrauch mag es geeignet sein. Was er erlebt hat, hat er sich von der Seele geschrieben, doch nicht für andere Seelen.