Es hatte sich zwischen 29. März und 19. April auch nicht wirklich Neues ereignet – von einer beleidigenden Verleumdung abgesehen.

Walter Jens ist, wie das Hamburger Abendblatt schon am 28. März so richtig schrieb, "gewiß keiner von den Bequemen im Lande". Im übrigen muß das Haus Springer ein miserables Archiv haben – oder die Redakteure benutzen es nicht. Da gab es schon in jenem Abendblatt-Artikel die Behauptung, Walter Jens sei "Vorsitzender des Bundes Demokratischer Wissenschaftler" – er ist es nicht, sondern war bis vor vier Jahren eines der drei Vorstandsmitglieder jenes BDW. Und es wird, auch von Anfang an, vom "SPD-Mitglied" Walter Jens geredet – Walter Jens war nie Mitglied der SPD oder irgendeiner anderen Partei.

Gewiß muß man Jens zu "den Linken" zählen in jenem weiten, vagen Sinne, daß damit eine Richtung und sonst nichts bezeichnet wird. Für Walter Jens ließe sich das präzisieren: Er hält es mit der Aufklärung eher als mit der Romantik. Er ist ein Christ wie Lessing, also gegen die klerikale Orthodoxie. Er ist Asket eher als Hedonist. Beim Konflikt zwischen Sozialismus und Kapitalismus ist er (Hausbesitzer mit Schwimmbad) zu Kompromissen bereit.

Gleichviel: Wer Walter Jens ist, war auch den Springer-Zeitungen, die jetzt einen Sturm im Wasserglas zu entfesseln helfen, am 28. März so bekannt wie am 21. April.

Was ist sonst noch geschehen?

Der Politologe Winfried Steffani hat sich bei der Welt über die Sitzung des Akademischen Senats vom 27. März beschwert, auf der einstimmig der Beschluß gefaßt worden war, die neu zu errichtende Professur Walter Jens anzutragen: "Viele Kollegen fühlten sich unter Druck gesetzt. Einige wurden erst unmittelbar vor der Sitzung informiert. Schriftliche Unterlagen gab es nicht." Etwa eine Stunde lang wurde auf jener Senatssitzung über Jens und die neue Professur gesprochen. Vier Stimmen hätten genügt, eine längere Diskussion oder auch Vertagung zu erzwingen. Es gibt jedoch immer Leute, denen erst hinterher einfällt, was sie hätten sagen sollen.

Der Professor für Verwaltungsrecht, Spezialist für Hochschulrecht und Landesvorsitzender des Hochschulverbandes, Werner Thieme, wies darauf hin, daß nach dem Gesetz keine universitätsinterne Stelle ohne öffentliche Ausschreibung besetzt werden dürfe. In der Tat war dem Hamburger Wissenschaftssenator ein Fehler unterlaufen, als er den Universitätspräsidenten in dem Glauben ließ, es könne auch in Hamburg eine "Widmungsprofessur" nach amerikanischem Vorbild ohne ein Berufungsverfahren geschaffen werden. Pro forma hätte die Stelle in der Tat öffentlich ausgeschrieben werden müssen.