In diesen Tagen habe ich viele fröhliche junge Menschen gesehen: Abiturienten, die gerade die Ergebnisse der schriftlichen Arbeiten erfahren hatten. In ihren Gesichtern stand die Freude über eine Zwei, eine Einsplus, ja selbst über eine Vier. Kann denn Schule überhaupt noch so schön sein?

"Ich bin zufrieden!" schreibt ein Schüler in seinem Beitrag zur ZEIT-Diskussion über die reformierte Oberstufe und das Abi 80. Viele andere sind es offenbar auch. Das Forum war ein großer Erfolg. Rund 280 Zuschriften zeigen, wie sehr das Thema Bildung gerade die Leser dieser Zeitung beschäftigt.

Allen, die geschrieben haben, sei herzlich für die oft beträchtliche Mühe eines mehrseitigen Briefes gedankt. Leider konnte – trotz des umfangreichen Platzangebots auf den Seiten 66 und 67 – längst nicht jede Stellungnahme abgedruckt werden.

Wer den Berg der Briefe analysiert, dem fallen vor allem zwei Tendenzen auf:

Erstens: Die Äußerungen sind ausgesprochen engagiert und kompetent. Das Thema wird mit großem Ernst und sehr sachlich behandelt, nur ganz selten fließen Ironie oder gar Häme ein.

Zweitens: Die reformierte Oberstufe und das Abitur werden ausgesprochen kontrovers beurteilt: Viele Meinungen – wenig Einigkeit. Unsere Umfrage ist nicht repräsentativ; dennoch deutet sie an: Zahlreiche Leser möchten – bitte! – eine bessere Oberstufe. Im Grundsatz wird die Reform von vielen akzeptiert; was daraus im Schulalltag wird, findet Kritik.

Als "Skandal" und "völlige Fehlkonstruktion" beurteilen einige Schüler die Oberstufe; sie empfinden den "Schulraum als Schlachtfeld", wo ein "asoziales Gefeilsche" herrscht, ein "Kampf um Punkte tobt". Andere und auch Studenten, die das "neue" Abitur gemacht haben, halten die drei letzten Jahre für die schönste Zeit der Schule. Und immer wieder erstaunlich sachliche, abgewogene Urteile. Selbstkritik fehlt nicht. Manche fragen: "Sind wir reif für die Freiheit?", die ihnen dieses System bietet.