Die Bestseller-Liste der amerikanischen Industrie für das vergangene Jahr liegt vor. Das amerikanische Wirtschaftsmagazin Fortune hat zum 25. Mal seine jährliche Rangliste der umsatzstärksten US-Konzerne vorgelegt. An der Spitze steht zum dritten Mal der Erdölriese Exxon, der mit einem Umsatz von fast achtzig Milliarden Dollar den langjährigen Spitzenreiter General Motors mit 66 Milliarden Dollar klar auf den zweiten Rang verwies. Schon 1974 und 1976 hatte Exxon den ersten Platz erobert, war aber dann dank einer guten Autokonjunktur von General Motors, dem traditionellen Tabellenführer, wieder überrundet worden.

Diesmal dürfte der Abstieg des größten Autokonzerns der Welt aber endgültig sein. Denn während General Motors auf Grund einer falschen Modellpolitik seine Straßenkreuzer nur noch schwer an den Mann bringen kann (siehe Seite 23) und seine Mitarbeiter zu Tausenden entlassen muß, ist ein weiteres rasantes Wachstum bei Exxon geradezu zwangsläufig.

Wichtigste Ursache dieser Entwicklung ist in beiden Fällen der Ölpreis: Die Angst vor weiter steigenden Benzinpreisen und die Sorge, daß sich die Versorgungsprobleme wiederholen könnten, hat den Amerikanern die Freude an den benzinsaufenden Blechungetümen aus Detroit verdorben. Bei Exxon dagegen blähen die von den Opec-Staaten verordneten Preissteigerungen den Umsatz auch dann kräftig auf, wenn der Verkauf von Benzin, Heizöl und anderen Mineralölprodukten kaum noch zunimmt.

Wie sehr die Opec zum "Erfolg" von Exxon und den anderen Mineralölkonzernen beigetragen hat, macht ein längerfristiger Vergleich deutlich. Wie der von der ZEIT zusammengestellte Überblick über die Entwicklung seit 1973 – dem letzten Jahr vor der Ölpreiskrise – zeigt, hat sich bei Exxon der Umsatz seither mehr als verdreifacht, während er sich bei General Motors trotz der hohen Inflationsraten nicht einmal verdoppelt hat.

Eine Verdreifachung ihrer Verkaufserlöse weisen auch Ölkonzerne wie Standard Oil of California und Indiana sowie Shell Oil aus. Sogar um das Vierfache sind die Erlöse von Mobil Oil, Atlantic Richfield oder Conoco gestiegen. Sun Oil, vor sieben Jahren noch auf dem 59. Platz, zählt heute zu den zwanzig umsatzstärksten Unternehmen der USA – von denen inzwischen elf der Ölindustrie angehören. 1973 waren in diesem Klub der Superkonzerne erst vier Ölfirmen.

Als Ausweis besonderer Tüchtigkeit der Ölkonzerne kann dieser wuchernde Umsatz allerdings kaum herhalten. Er ist den Konzernen geradezu aufgezwungen worden durch die Erhöhung der Rohölpreise. Kostete ein Barrel Rohöl 1973 im Durchschnitt noch 2,70 Dollar, so verlangen die meisten Förderländer für ein Faß inzwischen mehr als dreißig Dollar.

Im Windschatten der starken Preiserhöhung durch die Opec haben die Ölkonzerne auch ihre Gewinne kräftig aufbessern können. Über die Errechnung der Steigerungsraten im Vergleich zum Vorjahr oder zu einzelnen Vorjahres-Quartalen – die zum Teil bei achtzig Prozent und mehr lagen – wurde aber immer wieder übersehen, daß die Ölindustrie einige recht magere Jahre hinter sich hat. Hohe Steigerungsraten allein machen noch keinen hohen Profit.