Minister ohne Netz

Minister Kurt Gscheidle hat "freiwillig" auf den Wahlkreis in Neuss-Grevenbroich. verzichtet. Weniger vornehm gesagt: Sein eigener Personalchef im Ministerium, Hans Gottfried Bernrath, lief ihm den Rang ab als Wahlkreiskandidat. Ob Gscheidle auf der Landesliste Nordrhein-Westfalen ohne Wahlkreis abgesichert wird, ist fraglich, Dieses Privileg genießt dort in der Regel nur einer: Willy Brandt, Eine Ausnahme soll diesmal auch noch für den Hamburger Eugen Glombig gemacht werden. Vom Kanzler weiß man, daß er Minister ohne Mandat nicht wünscht. Mustert Minister Gscheidle ab?

Abgehörte Kirche

Eine Geheimdienstaffäre, von der auch die Mainzer. Evangelische Studentengemeinde und die Goßner-Mission von 1968 bis 1974 betroffen waren, fand nach sechsjährigem Prozeß vor dem Bundesgericht in Washington ein Ende. In einem Vergleich mit der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union verpflichtete sich die US-Armee, keine weiteren Abhöraktionen gegen Amerikaner in einem anderen Land ohne richterliche Genehmigung durchzuführen. Außerdem werden 21 Betroffenen 150 000 Dollar Ersatz gezahlt, darunter auch zwei amerikanischen Pfarrern, die bei der Goßner-Mission in Mainz gearbeitet und US-Soldaten in Armeegefängnissen betreut hatten. Die Armee erklärte sich ferner bereit, die über die Goßner-Mission zusammengetragenen Akten zurückzugeben. Bei der Aktion ging es dem Geheimdienst angeblich darum, amerikanische Deserteure zu entdecken, die bei der Mission Zuflucht gesucht haben sollen, außerdem um den Druck einer Untergrundzeitschrift amerikanischer GI’s, die auf den Vervielfältigungsgeräten der Studentengemeinde abgezogen worden war.

Unheimliche Verfasser

Vierzig Jahre nach dem Massaker von Katyn, der Ermordung von mehreren Tausend kriegsgefangener polnischer Offiziere durch die sowjetische Geheimpolizei, ist in Polen eine heimlich, gedruckte Dokumentation über dieses von Moskau nie zugegebene Kriegsverbrechen erschienen. Auf dem Titelblatt der Untergrundbroschüre wurden als Verfasser Jan Abramski und Ryszard Zywiecki genannt. Die Behörden äußerten sich skeptisch, weil Personen dieses Namens nicht existieren, Doch nur zu vielen Polen sind die Namen vertraut: Abramski ist der erste, Zywiecki der letzte auf der Totenliste, die 1941 nach der Identifizierung der im Wald von Katyn gefundenen Opfer aufgestellt wurde.

Feurige Kubaner