Am Freitag vergangener Woche ging das Zeitalter des klassischen Kolonialismus in Afrika zu Ende. Rhodesien wurde als Zimbabwe unabhängig.

Wohl kaum jemand hätte die Voraussage gewagt, daß die Übergabe der Macht von den 200 000 weißen Siedlern in die Hände der schwarzen Sieben-Millionen-Mehrheit so reibungslos vonstatten gehen würde, wie das nun geschehen ist.

Drei Faktoren waren dafür ausschlaggebend: das Geschick der britischen Kolonialmacht und ihres Außenministers Lord Carrington; die Kriegsmüdigkeit der Beteiligten; das moderate Auftreten Robert Mugabes, der bei den Wahlen vor sechs Wochen 57 der 80 Parlamentssitze gewonnen hatte.

Als am Donnerstag der britische Union Jack in Salisbury, das jetzt Harare heißt, eingezogen wurde, bedeutete das ein neues, wichtiges Kapitel in der Geschichte des südlichen Afrika. Nicht nur, daß Schwarzafrika nun unmittelbar auf der Türschwelle des Apartheidstaates Südafrika steht. Auch die Gewichte haben sich gewaltig verschoben. Vor allem die ökonomischen.

Wenn es gelingt, Zimbabwes wirtschaftliche Potenz weiter auszubauen – immerhin verfügt das Land über besonders reiche und strategisch wichtige Rohstoffvorkommen und eine an sich ausgezeichnete Agrarwirtschaft –, dann muß Südafrika seinen Traum von regionaler Kooperation unter Pretorias Führung vergessen.

Die seit Montag im neuen Zimbabwe offiziell regierenden 22 schwarzen und zwei weißen Minister wissen ebenso wie der neue Premierminister Mugabe, daß ohne Hilfe von außen die ohnehin noch prekäre Stabilität Zimbabwes weiter bedroht wird. Mindestens vier Milliarden Mark wären nötig, um die Fundamente neuer Strukturen in dem vom Bürgerkrieg und überlanger Kolonialzeit angeschlagenen Land zu legen.

Obwohl dem Westen bewußt ist, wie wichtig ein stabiles Zimbabwe für die Entwicklung im gesamten südlichen Afrika ist, sind die Hilfszusagen bisher bemerkenswert karg ausgefallen. Ganze 15 Millionen Dollar sind die Amerikaner bereit, in diesem Jahr zu geben. Daneben nehmen sich die britischen 165 Millionen für die nächsten drei Jahre direkt spendabel aus – wie auch die 59 Millionen Mark, die der deutsche Außenminister auf der Unabhängigkeitsfeier in Harare zusagte.