Von Hermann Bößenecker

Er ist "praktisch immer ausverkauft" (so Leo Rettner, der Chef des Würzburger Juliusspitals) – der Wein von Main und Steigerwald, aus dem Tal der Tauber und der fränkischen Saale. Die Nachfrage übersteigt fast stets das Angebot.

Wenn deutscher Wein, wie die Werbung suggeriert, "einzig unter den Weinen" ist, so gilt der Frankenwein als herausragende Spezialität dieses "Einzigen". Zwar wurde die Ertragsanbaufläche in den letzten zehn Jahren zügig von dreitausend auf 4200 Hektar ausgeweitet und die Zahl der aktiven Winzer stieg von rund fünftausend auf sechstausend. Doch an der gesamten Erntemenge in der Bundesrepublik hat der begehrte Rebensaft von den klangvollen sonnigen Hanglagen Mainfrankens nur einen sehr bescheidenen Anteil von drei bis vier Prozent.

Im vergangenen Herbst sammelten sich bei allerdings "geradezu traumhafter Weinqualität", wie der quicke, junge Geschäftsführer Jochen Freihold vom Fränkischen Weinbauverband jubelt, gar nur extrem knappe 107 000 Hektoliter (1,5 Prozent des deutschen Gesamtertrages) in den Fässern, so wenig wie zuletzt vor 22 Jahren. Und das bedeutet, daß dieser "denkwürdige Ausnahmejahrgarig", mit dem Franken von der Güte her das beste Ernteergebnis unter allen elf deutschen Anbaugebieten erzielt hat, angesichts der raren Vorräte in den Kellern nicht billig sein wird. "Leicht anziehende Preise" signalisiert Freihold denn auch vorsichtig. Dabei sind die Preise bereits in den letzten Jahren rasant nach oben gegangen. Die Durchschnittseriöse bei den fränkischen Winzergenossenschaften, die rund die Hälfte des Frankenweins keltern und vermarkten, kletterten vom Wirtschaftsjahr 1975/76 bis 1978/79 von 425 auf 549 Mark je Hektoliter – um fast 30 Prozent in nur drei Jahren.

Den Durchbruch brachte der "große", aber mangels Säure nur begrenzt haltbare Jahrgang 1976, der zeitweise gar einen Preisschnitt von 559 Mark gestattete – einsame Spitze, denn alle deutschen Winzergenossenschaften zusammen kamen damals nur auf 340 Mark. Obwohl die beiden folgenden Jahrgänge qualitativ deutlich abfielen, ist es den Genossenschaftsmanagern gelungen, das hohe Preisniveau weitgehend aufrechtzuerhalten. Bei den großen Gütern und den anderen: Erzeugern darf man eher von noch höheren Erlösen ausgehen;

Davon kann man lernen