So ist denn „Alice im Wunderland“ ein durch und durch optimistisches Buch, und was es für mich besonders anrührend macht, ist die Vermutung, daß seinem Verfasser gar nicht so optimistisch zumute war. Dem Oxforder Mathematikdozenten und Pfarrerssohn Charles Lutwidge Dodgson alias Lewis Carroll, der diese Geschichte, für die Tochter seines Dean, für Alice Liddell erfand, blieb Schlußlicht gar nichts anderes übrig, als Alice optimistisch Mut zu machen. Denn in jedem Wort ist seine Geschichte eine Werbeschrift: Er wirbt um die Zuneigung eines heranwachsenden Mädchens, das zu lieben ihm verboten ist. Seine umwegreichen Avancen treffen auf die Unbarmherzigkeit eines Kindes, das in seine – wie er meint glückliche – Welt eingesponnen ist. Mit seiner Geschichte versuchte er schmeichlerisch in sie einzubrechen. Wohl nie hat eine hoffnungslose Liebe zu aller Strafe sich unbeschwerter und munterer gegeben.

Dieter E. Zimmer

Lewis Carroll: „Alice im Wunderland“, aus dem Englischen von Christian Enzensberger; it 42, Insel, Frankfurt; 150 S., 5,– DM.

Lewis Carroll: „Alice im Wunderland“, aus dem Englischen von Lieselotte u. Martin Remand; Bitter, Recklinghausen; 194 S., 24,90 DM.