Doch die Begeisterung für einen Wagen steht und fällt mit dem Werkstatt-Service. Und der für meinen Bereich zuständige war so miserabel und peinlich nichtwissend, daß ich mein Interesse vom Citroën auf einen anderen Typ lenkte. Jeder x-beliebige Autobahn-Servicemann entdeckte gleich nach dem Aufklappen der Motorhaube die Fehler, die in der sogenannten Fachwerkstatt nach der dritten Überholung noch nicht behoben waren.

Das ist der Grund, weshalb ich jetzt einen Toyota fahre. Genauer – ich muß das im Prospekt nachlesen – einen Toyota Celica Liftback XT 2000. Von den vielen technischen Daten interessiert mich nur: Es ist ein Auto für zwei, und es fährt mit Normalbenzin. So ein Auto muß es sein, weil mir eine Ansammlung von mehr als drei Menschen als Masse erscheint; es sei denn, es sind sehr gute Freunde. Folglich fahre ich am liebsten allein oder mit meiner Frau oder eben einer Freundin oder einem guten Freund. Und Normalbenzin, weil ich das Gerede von der Benzinkrise für den größten Volksverdummungsgag des Jahrzehnts halte und das Ganze für mich lediglich eine Preiskrise ist.

Das Coupé sieht gut aus von vorn, ich mag seinen Bug; er ist origineller als der gängige Radarbug der Jets. Fahrgäste müssen sich erst an die sehr tiefliegenden Sitze gewöhnen; man sitzt praktisch auf dem Fahrzeugboden und hat die Beine fast waagerecht vor sich gestreckt. Der fünfte Gang, den ich als sehr notwendig und benzinsparend empfinde, ist zwar in Deutschland noch neu; doch ich kannte ihn schon durch einen Peugeot 404, mit dem ich vor rund fünfzehn Jahren durch Kenia und Tansania fuhr.

Mehr Auto fürs Geld: Dieser Wagen ist ein Musterbeispiel für selbstverständliche Extras, die bei unseren bundesdeutschen, indiskutabel teuren Autotypen alle extra bezahlt werden müssen. Und selbst ein echtes Extra wie ein Schiebedach hat mich ganze 600 Mark gekostet. Der Wagen verbraucht auf der Autobahn unter zehn Liter, im Stadtverkehr knappe elf Liter auf 100 Kilometer; allerdings bin ich kein rasanter Fahrer; und da liegt gleich der Grund, weshalb Autos mich so kalt lassen: Über größere Entfernungen nehme ich ohnehin das Flugzeug – und am Zielort selber einen Mietwagen. Eine Fahrt von Frankfurt nach Köln, Stuttgart oder Nürnberg ist für mich ein größeres Abenteuer, als wenn ich mit der DC 10 – das ist keinesfalls Snobismus – nach Rio fliege.

Terror auf der Autobahn

Mein Wagen hat einen Hubraum von 1954 Kubikzentimetern; und diese Zahl erinnert mich intensiv an das Jahr, in dem ich mir, als Nonplusultra, einen Zündapp-Bella-Motorroller zulegte, den ich dann zwei Jahre später gegen das einzige deutsche Autofabrikat eintauschte, das ich jemals fahren sollte (einen Opel Rekord). Denn meine wirkliche Autoleidenschaft habe ich in Amerika gelassen, dort fuhr ich – seit 1957 und bis heute – leidenschaftlich gern Auto. Doch zwischen einer deutschen Autobahn und einem amerikanischen Highway gibt es größere Unterschiede als zwischen einem Zeppelinflug über die Tierparks Afrikas hinweg und einem Schlechtwetter-Verbandsflug von drei Überschalljägern. Genau daran erinnert mich der permanente deutsche Autobahnterror.

Meine echte Autoliebe gilt dem (früheren) amerikanischen Mustang oder Camaro: Kein Amerikaaufenthalt von mehr als drei Tagen, bei dem ich nicht zur seelischen Entspannung mit einem Miet-Mustang, -Impala oder -Camaro durch die einsamen Weiten der Staaten gefahren, nein, geschwebt wäre. Eine solche Fahrt in einem Straßenkreuzer mit Automatik ist für die Nerven heilsamer als der Aufenthalt in einem Schwarzwald-Nervensanatorium, der Mietpreis für einen Mustang noch dazu billiger.