DIE ZEIT

Vis-à-vis in Wien

Zum ersten Male seit dem russischen Einmarsch in Afghanistan wird am Freitag dieser Woche in Wien der Dialog zwischen den beiden Weltmächten auf höchster Ebene wieder aufgenommen – zwischen dem neuen US-Außenminstier Edmund Muskie und seinem sowjetischen Amtskollegen Andrej Gromyko.

Sadats kalte Dusche

Anwar el-Sadat ist immer für eine Überraschung gut. Nach Abschluß der ersten Phase jener Marathongespräche über die palästinensische Autonomie gaben sich auch die ägyptischen Unterhändler noch optimistisch: Weit sei man nicht gekommen, aber es gehe weiter.

Eine Bastion ist gefallen

Präsident Carter hat die meisten außenpolitischen Doktrinen, auf die er sich zu Beginn seiner Präsidentschaft eingeschworen hatte, preisgegeben.

Der Wahlsieg des Kanzlers

Hat in Nordrhein-Westfalen die SPD gesiegt und die Koalition verloren? Die Sorge um den Koalitionspartner hat viele Sozialdemokraten in Bonn und Düsseldorf daran gehindert, ihren Triumph vom vergangenen Wochenende auszukosten.

Worte der Woche

"Kein anderes Land hat etwas, was sich mit diesen Jungs vergleichen ließe, und ich schließe bei diesem Vergleich die Israelis und die Deutschen, die bei Mogadishu vorgingen, ein.

Sozialdemokraten sagen: "Ohne uns"

Von Nina Grunenberg Die Bremer Sozialdemokraten können aufatmen. Innerlich hatten sie sich schon auf die Rolle des Sündenbocks eingestellt, falls ihre Partei bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen Verluste gemacht hätte.

Zeitspiegel

Raucher, so sagt man, seien die tolerantesten Menschen der Welt; Noch nie habe sich ein Raucher über einen Nichtraucher beschwert.

Zu brav und zu bieder

Eine denkwürdige Wahlnacht war das: Die FDP traf das "Aus" völlig unvorbereitet; die Union wird an ihrer schweren Schlappe noch lange zu tragen haben; und die SPD hat den Sieg als doppelbödig empfunden, Horst Ehmke entdeckte darin "Verheerendes".

Ansichten aus Amesbury

Judd: Ohne die Einmischung der Regierung ließen sich alle Schwierigkeiten überwinden. Das Beste, was diesem Lande passieren könnte, wäre, daß für zwei Jahre alle Abgeordneten hier und in Washington nach Hause geschickt würden.

Abschied vom besseren Leben

Im Schicksal der amerikanischen Nation vollzieht sich beinahe unmerklich eine Zäsur. Zum erstenmal in der Geschichte der Vereinigten Staaten wird eine Generation materiell Vereinigten Staaten sein als die vorhergehende.

Mit dem Papst elf Tage durch Afrika: Rastloser Missionar

Seine weiße Gestalt mit den segnend erhobenen Armen verschwand in einer Wolke von Wüstenstaub, aufgewirbelt vom freudigen Getrampel zehntausender schwarzer Füße, die trotz vierzig Grad im Schatten der Wagenkarawane nachrannten wie einer Fata Morgana.

Knapp für Börner

Mit 139 gegen 109 Stimmen bei drei Enthaltungen lehnte der Landesparteitag der hessischen SPD im Wochenende in Friedberg einen Antrag ab, der darauf abzielte, Börner die Errichtung einer Wiederaufbereitungsanlage in Hessen zu untersagen.

China testet die große Rakete

Was seit Jahren gemunkelt wurde, ist nun aller Welt offenbar: Für den Zeitraum zwischen dem 12. Mai und dem 10. Juni hat die Volksrepublik ein Zielgebiet nordöstlich der Fidschi-Inseln deklariert.

Rechtsextremismus in Spanien

Die Waffe hat die Form eines harmlosen Füllfederhalters. Aber statt der Tinte enthält sie eine Patrone, die einen Menschen geräuschlos töten kann.

Putsch in Uganda

Damit erlebt der immer noch vom Chaos heimgesuchte afrikanische Staat seinen vierten Regierungswechsel innerhalb von 13 Monaten.

Die Wahl an Rhein und Ruhr

Die SPD gewann die absolute Mehrheit, die CDU mußte starke Stimmenverluste hinnehmen, die FDP scheiterte an der Fünf-Prozent-Klausel.

Kein Platz im Bunker

In Friedenszeiten möge er als "Disco-Bar" dienen – der "Strahlungsschutzbau" S 2 für zehn "Schutzsuchende". Der kugelrunde Betonbunker könne im Garten versenkt werden, erklärt die Herstellerfirma "Kelkheimer Betonwerk GmbH" – für 38 900 Mark Angstfreiheit im Atomzeitalter.

Hirtenbrief: Bestseller vom Kardinal

Es ist in grauen Karton gebunden, hat Westentaschen-Format und umfaßt im Kerntext nur ganze neun Seiten. Dennoch ist das Heft schon heute ein Bestseller: Knapp 60 000 Exemplare wurden von dem schwarz-violett gedruckten Hirtenbrief des Münchener Kardinals Joseph Ratzinger zum Thema Ehe bereits verschenkt – ein einmaliger Erfolg im deutschsprachigen katholischen Raum.

"Bis daß der Tod entscheidet": Noch einmal: Der Fall K.-H. Bigell

In der Ausgabe der ZEIT vom 11. April hatten wir unter der Titelzeile "Bis daß der Tod entscheidet" über den Fall des Rentners Karl-Heinz Bigell berichtet, der in der Berliner Strafanstalt Tegel eine lebenslange Freiheitsstrafe absitzt, obgleich er mit höchster Wahrscheinlichkeit unschuldig ist.

Wohnungsnot: "Da kommt ein Wind auf"

In Frankfurt werden wieder Häuser besetzt. Nach Jahren der Ruhe geht es wieder los. Erinnerungen an die Mitte der siebziger Jahre kommen auf, als der Häuserkampf die Szene beherrschte.

Baden-Württemberg zwei Monate nach der Wahl: Es rumort in den Kulissen

Wahrscheinlich", so sagt Lothar Späth, der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, "bieten wir zur Zeit zuwenig Stoff an." In der Tat gleicht die landespolitische Szene im deutschen Südwesten in diesen Wochen vor dem Zusammentreten des Mitgewählten Landtags einem Zwischenakt.

Wem gehört der Löwe?

Seit 800 Jahren zeigt Deutschlands berühmteste Bestie auf dem Braunschweiger Burgplatz die Zähne, einst Herzog Heinrich dem Löwen zur Erbauung und seinen Widersachern zum Trotz.

Der grüne Garaudy

Roger Garaudy hatte seinen großen internationalen Auftritt vor zehn Jahren. Damals stand er als Mitglied des Politbüros und des Zentralkomitees der französischen Kommunisten auf der Rednertribüne des Parteikongresses Und klagte seine Parteiführung an, daß sie weder aus dem Pariser Mai 1968 noch aus dem Ende des Prager Frühlings im gleichen Jahr die nötigen Konsequenzen gezogen habe.

Kater nach dem Wohlfahrtsrausch

In Schweden wird wieder gearbeitet. Der schwerste Arbeitskonflikt seit siebzig Jahren endete in der Nacht zum Montag ebenso dramatisch, wie er begonnen hatte: Nachdem die Arbeitgeber zunächst lange gezögert hatten, ehe sie zu harten Kampfmaßnahmen griffen, taten sie sich nun schwer, ihrem Abbruch zuzustimmen.

Immer das gleiche Spiel

Man merkt es, daß die achte Legislaturperiode des Bundestages bald vorüber ist. Führende Politiker äußern sich jetzt häufiger frank und frei über Reformen, die, mögen sie auch weh tun, unumgänglich sind.

Berufsbildung: Erwachen

Als vor drei Monaten der Berufsbildungsausschuß routinemäßig darüber zu befinden hatte, ob die Unternehmen in diesem Jahr durch eine Abgabe gezwungen werden sollten, Geld für mehr Lehrstellen lockerzumachen, nutzten die Gewerkschaftler im Ausschuß die Gelegenheit zum Eklat.

Wohnungspolitik: Im Trüben

Das Statistische Bundesamt gibt vielen über vieles Auskunft. Es erhebt zum Beispiel die Zahl der Färsen, kann dem Interessierten sagen, wieviel Sterben (Kühe, die noch nicht gekalbt haben) es wann in welchem Bundesland gegeben hat, und es muß auch nicht passen, wenn jemand die Zahl der nicht trächtigen Jungsauen wissen möchte.

BONNER KULISSE

Mit seiner gezwungenermaßen tapferen Erklärung, fortan in Düsseldorf die harte Bank der Landtagsopposition drücken zu wollen, hat Kurt Biedenkopf möglicherweise einem jungen Politiker Starthilfe gegeben, den außerhalb des Bundeshauses und jenseits der bayerischen Gemeinde Oberohr bei Krumbach bislang nur wenige kennen: Theodor Waigel (CSU).

Iran-Sanktionen: Rattenschwanz

Auf die Bundesbank und die Landeszentralbanken kommen neue bürokratische Aufgaben zu. Wenn die Partner der Europäischen Gemeinschaft die Beschlüsse der Außenminister zum Iran-Boykott zum gleichen Zeitpunkt in Kraft setzen, dann wird am 17.

Weiterleben nach dem Tod?

Die Erfahrungen zweier Monate reichten aus, um Herbert Gienows Optimismus zu dämpfen. Hatte der Vorstandsvorsitzende der Klöckner-Werke AG noch Anfang März vor Journalisten erklärt, sein Unternehmen rechne für 1979/80 mit einem ausgeglichenen Ergebnis, so schwächte er Anfang Mai in der Hauptversammlung schon ab: "Unser Ziel für das laufende Geschäftsjahr ist es, ein ausgeglichenes Bilanzergebnis zu erreichen.

Kosmetik-Messe: Zu stark Schminke aufgetragen

Herbert Karla hat den Eindruck, daß hier "mit dem Geld der Aussteller jetzt noch das Profil der Messe gesucht wird". So urteilt der Inhaber einer Zerstäuber-Fabrik aus Wien am Nachmittag des zweiten Tages über die neueste Kreation der Münchner Messe- und Ausstellungs-GmbH (MMG), die am Freitag letzter Woche gestartete "Cosmetics" mit der anspruchsvollen Bezeichnung "1.

Citroën und Talbot auf Talfahrt

Nun ist es auch in Frankreich nicht mehr zu übersehen: Die Automobilindustrie steuert in die Krise. Auch die letzten Optimisten mußten das jetzt eingestehen, nachdem Citroën in der vergangenen Woche fünf Tage unfreiwillige Ferien ankündigte.

Dreißigtausend Fiats auf Halde

Noch zu Jahresanfang bat die Fiat-Verwaltung Italiens Metallgewerkschaften um Zustimmung zu Sonderschichten. Letztes Jahr waren wegen der Streiks 200 000 Autos weniger produziert worden.

Österreich: Geschenke für General Motors

Vor einem Jahr wurden die österreichische Regierung unter Bruno Kreisky und der General-Motors-Konzern handelseinig: Das größte Automobilunternehmen der Welt sagte die Errichtung eines Motoren- und Getriebewerkes am Stadtrand von Wien zu.

Werbung als Trendmacher?

Vergleicht man die Entwicklung der erfaßbaren Werbeumsätze mit der des Bruttosozialprodukts in den vergangenen fünf Jahren, so zeigt sich deutlich; daß die Werbung ein stärkeres Wachstum aufweist.

ZEITRAFFER

Was deutsche Verbraucher schon wissen, wird ihnen jetzt vom Statistischen Bundesamt bestätigt: Die Energiepreise sind weit überdurchschnittlich gestiegen.

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