Der Verhaltensforscher Hans Fricke finanziert seine Tauchexpeditionen im Roten Meer selbst

Von Günther K. H. Zupanc

Seine Welt sind die tropischen Meere, sein Leben ist die Forschung: Hans W. Fricke aus Aschering bei Starnberg, ein Verhaltensforscher von internationalem Ruf. Daheim ist er nur selten. Monate verbringt er bei Unterwasserexpeditionen am Roten Meer. Der Golf von Akaba ist seine zweite Heimat. Hier erforscht er das Leben im Riff.

Seine Arbeiten finanziert er mit Berichten in Zeitschriften, Büchern und im Fernsehen. Fricke gehört zu den vorigen Wissenschaftlern, die ohne jede öffentliche Unterstützung forschen. Und seine Unabhängigkeit ist ihm viele Entbehrungen wert: „Da ich alles selbst finanziere, kann ich an Projekten arbeiten, die mir Spaß machen.“

Hans Fricke, 38, Gastprofessor an der hebräischen Universität Jerusalem, wurde in Schönebeck an der Elbe geboren. Zusammen mit Frau Simone und der zweijährigen Tochter Anja wohnt er in einem Bauernhaus der 250 Einwohner zählenden Ortschaft. Vor dem Haus steht ein dunkelgrüner Landrover, mit dem Fricke auf seine Expeditionen geht.

Bereits mit elf Jahren tauchte der junge Hans in einem alten Arm der Elbe und photografierte unter Wasser seine Schulkameraden. Mit 19, noch während der Schulzeit, ging er zu Fuß ans Rote Meer. Das Geld dafür hatte er sich als Zeitungsverkäufer in West-Berlin verdient. Als 20jähriger strampelte er mit dem Fahrrad nach Alexandria und Kairo. Ein Jahr später – inzwischen studierte Fricke in Berlin Zoologie – fuhr er mit dem Moped zu den Tauchgründen in Ägypten und Israel. Dann stieg er um auf schnellere Fahrzeuge Motorrad und Auto. Doch sein Reiseziel blieb immer dasselbe: Der Golf von Akaba ist „sein“ Forschungsgebiet.

Am Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie in Seewiesen promovierte der Zoologie-Student bei Konrad Lorenz über – wie könnte es anders sein – die Biologie der Gorgonenhäupter, eines auf nächtlichen Planktonfang spezialisierten Schlangensterns im Roten Meer. Dann folgten ein Forschungsaufenthalt in Florida und Tauchexpeditionen in der ganzen Welt.