ARD, Sonntag, 18. Mai, 22.40 Uhr: "Das verspielte Imperium – die SPD-Presse nach dem Krieg." Eine Dokumentation von Bernd Hesslein.

Viele der Fernsehdirektoren und Chefredakteure in unseren öffentlichrechtlichen Anstalten befinden sich in einem permanenten Zustand der Angst: der Angst, irgendwo anzuecken, bei Parteien, Bischöfen, Bauern. So überrascht es uns denn auch nicht, daß die Programmverantwortlichen des NDR eine Dokumentation über den erbärmlichen Zustand der SPD-Zeitungen nicht vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen zeigen (obwohl der Film längst fertig ist), sondern erst am Sonntag danach, zusätzlich noch spät in der Nacht, damit möglichst keiner zuschaut.

Nun werden ja auch nicht die "himmlischen Töchter" gezeigt, sondern ein Trauerspiel wird dargeboten, das Spiel von der Unfähigkeit sozialdemokratischer Parteifunktionäre, mit der Presse umzugehen oder, genauer, mit ihren eigenen Zeitungen und Druckereien.

Bernd Hesslein, erfahren in Dokumentationssendungen, zeichnet die Geschichte der SPD-Presse seit 1945 nach und arbeitet klar heraus, an Hand von Archivaufnahmen und Interviews, wie dilettantisch die SPD Verlage, Druckereien und Zeitungsredaktionen führte. Sie redete in die Arbeit der Redakteure hinein und stellte mit sicherem Instinkt immer die falschen Manager ein, die der immer stärker werdenden Konkurrenz auf dem Medienmarkt nicht gewachsen waren.

Heute, nachdem die SPD so gut wie keine Zeitungen in eigener Regie mehr besitzt, zeigt sie Einsicht. Friedrich Halstenberg, derzeit Schatzmeister der Partei, erklärte unlängst etwas gestelzt: "Die Führungsinstitutionen einer politischen Partei sind nicht geeignet, Unternehmensführungsinstitutionen zu sein. Dies ist keine Qualifikation, sondern, so wie unsere Spitzengremien zusammengesetzt sind, können politische Spitzenentscheidungen gemacht werden, aber nicht Unternehmensführungsentscheidungen."

Übersetzt heißt das: Die SPD hätte besser daran getan, ihre Finger von Zeitungen und Druckereien zu lassen.

Und noch etwas zeigt die Dokumentation: wie unanständig die Partei mit ihren Mitarbeitern umgeht, wenn es sich darum handelt, eine Zeitung oder eine Druckerei zu schließen. Die aufgebrachten Worte eines Mitarbeiters des Berliner Telegraf (auch eine Zeitung, die die SPD vor vielen Jahren eingehen ließ) müßte den Parteioberen eigentlich noch heute in den Ohren klingen: Eine Partei, die Mitbestimmung, soziales Verhalten auf ihre Fahnen geschrieben hat, benehme sich schlimmer als ein Kapitalist.