DIE ZEIT

Elite: ein Begriff kehrt wieder

Brauchen wir Eliten? Nur ein paar Jahre zurück wäre selbst die Frage als Provokation aufgefaßt worden. Zumindest in der Stimmungslage, die durch die Studentenbewegung geprägt wurde, rangierte der Begriff nahe bei den Feindbildern "autoritär", "repressiv" oder "Establishment", sofern er nicht überhaupt im Vorwurf des Elitären zum Inbegriff der Verächtlichkeit wurde.

Wer kittet nun die Scherben?

Als der Präsident des Bundesverwaltungsgerichts in Berlin letzte Woche von dem "Scherbenhaufen" sprach, der nach einer Auflösung des Norddeutschen Rundfunks zum Ende dieses Jahres verbleiben würde, ließ sich immerhin erahnen, wie die Sache ausgehen würde: Die obersten Richter wollten sich nicht zu Liquidationsgehilfen zweier Landesfürsten machen lassen, von denen zumindest der eine – Ministerpräsident Ernst Albrecht von Niedersachsen – entschlossen war, den NDR zugunsten seiner privaten Rundfunk- und Fernsehpläne zu zerschlagen.

Englische Krankheit

Gleich nach Pfingsten hat in Brüssel wiederum eine jener ruhmlosen "englischen Wochen" begonnen, in denen die europäischen Ministerkonferenzen Frieden mit der "Eisernen Lady" Großbritanniens zu stiften versuchen.

Saat der Revolution

In Südafrika wächst die Unruhe. Die "Farbigen", Inder und Mischlinge, stehen seit Wochen im Schulstreik – Protest gegen die hanebüchene Benachteiligung im Bildungswesen.

Zeitspiegel

Der "Eurokommunismus" hat ein prominentes Opfer jenseits des Atlantiks gefordert. Luis Carlos Prestes, 82 Jahre alt, 37 Jahre Generalsekretär der (immer noch illegalen) brasilianischen KP, wurde von jüngeren ZK-Mitgliedern wegen seiner.

Regierungsbildung an der Saar: Fast ein tragischer Held

Eeinen Augenblick lang nur hatte den Landtag an der Saar der Hauch der großen Politik gestreift. Manche Beobachter, nicht zuletzt in den Bonner Parteihauptquartieren, hatten gefürchtet oder gehofft, es sei der Wind der Veränderung.

Worte der Woche

"Mit diesem Referendum haben wir alle ein wenig verloren. Wenn Sie daran denken, wie viele Freundschaften zerbrochen und wie viele Familien zerstritten sind, so ist niemand unter uns, der keine Wunden erlitten hat.

Wolfgang Ebert: Endlose Reise

Gewiß: Es kann nicht sein. Aber kommt es uns nicht manchmal so vor, als wäre von dieser Reise schon die Rede gewesen, als wir noch in den Kinderschuhen steckten? Hörten wir nicht damals schon die Erwachsenen darüber raunen, ob sie diese Reise nun antreten sollten oder nicht; und ob noch im Sommer oder doch besser erst im Herbst.

Der Zorn hat viele Gründe

Eine ganze Stadt war Geisel in der Hand der südkoreanischen Armee – Kwangju, katholische Bischofstadt in der Provinz Süd-Cholla.

Beginn am Ende der Straße?

Keiner sprach mehr von der "deadline" des 26. Mai, weder Carter noch Sadat, noch erst recht Begin selber. Laut Absprache in Camp David sollte zu diesem Stichtag der Autonomievertrag für die Palästinenser in den besetzten Gebieten unter Dach und Fach sein.

Glaube ohne Beglaubigung

Johannes Paul II. meinte gelassen, als ich ihn während des Rückflugs von Afrika auf das Echo ansprach, das manche päpstliche Äußerung in Deutschland hervorgerufen hatte: "Kritik? Sie ist auch etwas, was uns anzieht.

BONNER BÜHNE: Gruppenbild mit einer Bonnerin aus dem Volk

Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird für die Wehrdienstverweigerer alles beim alten bleiben. Das Wunder kann allenfalls darin bestehen, daß sich die Vorsitzenden der drei Bundestagsfraktionen zum Brückenschlag über prinzipientiefe Abgründe hinweg finden.

Unruhen in Kabul

Nachdem bereits in den letzten zwei Wochen insgesamt fünfzig Jugendliche bei antisowjetischen Protestaktionen in Kabul ums Leben gekommen waren, demonstrierten auch am vergangenen Wochenende wieder Tausende von Studenten in der afghanischen Hauptstadt.

Die Grenzer sagen: "Ja, ja"

Dogan stammt aus Izmir. Er beantragte in Deutschland Asyl, weil er, wie er behauptet, in seiner Heimat um sein Leben fürchtete.

Afrikaner in Paris

Frankreich ist stolz auf seinen Ruf als "terre d’asile", als zweite Heimat für Flüchtlinge aus aller Welt. Dieser schmeichelhafte Ruf ist alt, doch erst seit der Russischen Revolution, dem Massaker an den Armeniern und dem Bürgerkrieg in Spanien ist daraus dem Gastland ein echtes Problem erwachsen.

Fernseh-Zeit: Regenten und Referenten

Wenn es darum geht, Absonderliches hervorzubringen, ist unser öffentlichrechtliches Rundfunksystem unschlagbar. Es hält sich Intendanten, deren Allmacht feudale Züge trägt, deren journalistische Kompetenz aber – Telebiss hat’s häufig beklagt – sogar von Jungredakteuren ihrer Anstalten leicht überboten wird.

Nach der ZEIT-Rezension: Dorf-Schicksal

In der ZEIT vom 6. Juli 1979 (Nr. 28) habe ich über ein Buch des französischen Historikers Emanuel LeRoy Ladurie über ein Pyrenäendorf im Mittelalter berichtet, das nach seinem Erscheinen 1975 in Frankreich ein großer Bucherfolg war und immer noch ist.

"Holocaust"-Nachlese: Bericht eines Opfers

Anfang 1979, unmittelbar nach der Sendung des amerikanischen Auschwitz-Melodrams "Holocaust", wogte unter den gebildeten Ständen der Bundesrepublik Deutschland die Debatte, wie lange denn die nachweisbar außerordentliche Betroffenheit breiter Publikumskreise anhalten und was die wohl erbringen würde.

Pessimismus ist Trumpf

Am Anfang der siebziger Jahre stand die Angst vor einem überschäumenden Boom, den Bundesregierung und Bundesbank gemeinsam kaum unter Kontrolle halten könnten; am Anfang der achtziger Jahre steht die Sorge vor einer wachsenden Arbeitslosigkeit, gegen die kein Kraut gewachsen ist.

Nostalgie nützt nichts mehr

Die organisierte Ärzteschaft hat sich eine politische Forderung zu eigen gemacht, die längst chancenlos geworden und früher von den Ärzten selbst diskreditiert worden ist: Selbstbeteiligung der Patienten in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Städtebau: Hamburger Posse

Auf den ersten Blick ist es nur eine Lokalposse: Seit Wochen veranstalten die in Hamburg marktbeherrschenden Springer-Zeitungen ein schrilles Gezeter, das von ihnen als Volkes Stimme verkauft wird.

Japanische Autos: Hieb mit dem Zollstock

Weil amerikanischen Hähnchen Mitte der sechziger Jahre auf Druck der Franzosen hin die Landung in den Grills und Backöfen der Europäischen Gemeinschaft verweigert wurde, mußte Volkswagen schwer büßen.

Bonner Kulisse

Angefangen hat es damit, daß Bundeskanzler Helmut Schmidt verhindert war, eine Kabinettssitzung zu leiten, und daß auch Vizekanzler Hans-Dietrich Genscher einer auswärtigen Verpflichtung nachkommen mußte – so oblag es Landwirtschaftminister Josef Ertl, einer Routinesitzung der Ministerrunde vorzusetzen.

Wettbewerbsrecht: Schuß vor den Bug

Wo gibt’s schicke automatische Sonnenbrillen schon für 14,95? Unter dieser Überschrift erschienen am 9. Mai in deutschen Tageszeitungen ganzseitige Anzeigen der Kaffeerösterei Tchibo.

Firmenkäufe: Krach um 800 Millionen

Zwei Schiedsrichter suchen derzeit einen Obmann. Zu dritt sollen sie dann einen Streit schlichten, der zwischen der italienischen Fiat und der deutschen Klöckner-Humboldt-Deutz AG (KHD) entbrannt ist.

Die Amerikaner kommen

Wenn unter Branchenkennern in den Vereinigten Staaten die Rede von dem christlichsten Hotelkonzern ist, weiß jeder, wer gemeint ist: die Hyatt-Gruppe.

Zurück zur Suppenküche

Das System der sozialen Sicherung in Großbritannien befindet sich im Umbruch. Das öffentliche Bollwerk gegen Arbeitslosigkeit, Not, Krankheit und Alter, gegen körperliche und geistige Gebrechen wird nicht weiter ausgebaut.

Wir folgen nicht

Schmahl: Wir werden sicherlich nicht folgen, weil unser Zusammenhang mit der USA-Konjunktur dazu viel zu locker ist. Unsere Ausfuhr in die USA macht nur sechs bis sieben Prozent unserer gesamten Exporte aus.

MANAGER UND MÄRKTE

Erstmals räumte Eberhard von Brauchitsch, persönlich haftender Flick-Gesellschafter, in München offiziell ein, daß er nicht ausschließt, daß er in zwei Jahren als Nachfolger von Professor Rolf Rodenstock (der eben für eine weitere Periode wiedergewählt wurde) zum Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) gekürt werden könnte.

DEVISENSELLER

Der weitere Verfall der Zinsen an den US-Märkten führte zu einer entsprechenden Dollar-Schwäche. Dabei konnten Stützungskäufe seitens der Zentralbanken nicht einmal ausgeschlossen werden.

ZEITRAFFER

Nach geradezu exotischen Inflationsraten von fast zwanzig Prozent verlangsamt sich in den USA der Preisauftrieb. Im April lagen die Preise um 11,4 Prozent höher als ein Jahr zuvor; dafür sorgte die langsamere Preisentwicklung vor allem bei Lebensmitteln, Bekleidung und auf dem Bausektor.

Markt auf der Mattscheibe

Den "Kontakt mit der Kirche" kann er zwar nicht ersetzen, der Bildschirmtext, aber er "kann dazu beitragen, daß abgerissene Bindungen wieder geknüpft werden", meint die Evangelische Kirche im Rheinland.

Das Geld liegt auf der Milchstraße

Erst auf den zweiten Blick stellte Götz W. Mandel, im Luft- und Raumfahrtkonzern MBB als technischer Direktor mit Raumfahrt befaßt, fest, daß die Anfrage auf seinem Tisch recht ungewöhnlich war.

Gespräche am Bankschalter: Ein völlig neues Zinsgefühl

Der langfristige deutsche Kapitalmarktzins hat sich seit dem 1. April dieses Jahres von 10 auf 8,5 Prozent zurückgebildet. Für die Bundesbank, die weiterhin an ihrem konsequenten Stabilitätskurs festhalten will, war diese Bewegung "etwas verfrüht und zu hektisch".

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