DIE ZEIT

Schlachtordnung für den 5. Oktober

Die Serie der Wahlparteitage ist vorüber; die Programme sind verabschiedet und zum größten Teil schon wieder vergessen, die Führungsfiguren sind vorgestellt und pflichtschuldig bejubelt.

Respekt vor dem Recht

Wein die Kampfparolen bei den Kundgebungen am 1. Mai – "Aussperrung ist Entwürdigung des Arbeitnehmers durch die Willkür des Kapitals" – noch in den Ohren klingen, dem muß der 10.

Bonn wird teuer

Das "Heulen und Zähneklappern", das Bundesfinanzminister Hans Matthöfer für die Zeit nach der Wahl angekündigt hat, wenn der Staat mehr als bislang werde sparen müssen, klingt bereits jetzt an: Vier Monate vor der nächsten Bundestagswahl sind Steuererhöhungen so gut wie sicher, während die versprochenen Steuersenkungen zumindest teilweise fraglich geworden sind.

Gratwanderung der Europäer

Die Gipfeltreffen der europäischen Regierungschefs sind inzwischen zu Routineereignissen geworden. Diesmal jedoch steht ein außergewöhnliches Vorhaben auf der Tagesordnung: Eine Nahost-Initiative der Neun, die unter anderem das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser anerkennt.

Zeitspiegel

Den Nachfolgern Maos scheint nichts mehr heilig: Nun soll selbst der gute, alte Spucknapf verschwinden, der nicht nur auf öffentlichen Plätzen Chinas anzutreffen ist, sondern auch bei Staatsbesuchen zu Füßen Maos stand, der gelegentlich auch von Vizepremier Deng Xiaoping mit bemerkenswerter Zielgenauigkeit benutzt wird.

Strauß stärkt den linken Flügel

Die Mannschaft hinter Franz Josef Strauß, Gerhard Stoltenberg und Helmut Kohl kann sich sehen lassen. Nichts berechtigt dazu, sie verächtlich als "Volkssturm" zu bezeichnen, wie es, allerdings vor ihrer Aufstellung, ein Mitglied des CDU-Präsidiums getan hat.

FDP-Parteitag: Ein Bekenntnis zur Koalition

Wie koalitionstreu zeigt sich die FDP? Wo finden die Liberalen ihre Nischen oder auch die "Ecken und Kanten", die sie suchen? An den "guten Geist von Freiburg", wie Hans-Dietrich Genscher sagte, wollten sie diesmal ganz unmißverständlich anknüpfen.

"Sicher auf dem richtigen Weg"

Nur unentwegte Einzelkämpfer wollten noch vom vorgezeichneten Weg abweichen. Doch was immer sie in der Essener Gruga-Halle am sozialdemokratischen Wahlprogramm zu ändern versuchten, es wurde von einer soliden Parteitagsmehrheit abgelehnt – es sei denn, die Antragskommission hatte sich ihre Wünsche zueigen gemacht.

Wolf gang Ebert: Schreib mal wieder

Herzlichen Glückwunsch! Sie haben endlich Ihr Lebensziel, Oppositionsführer im Landtag von NRW zu werden, erreicht. Wir aber glauben, daß Sie zu Höherem berufen sind.

Aspen Berlin

Die Atlantic Richfield Oil Company ist eine der erfolgreichsten Ölgesellschaften der Welt. Ihr Manager: David Anderson. Der gründete das "Aspen Institute for Humanistic Studies", Hauptsitz in den Bergen von Colorado, Zweigstellen in Washington, New York, Tokio, Hawaii und Jerusalem.

John McCloy

John "Jack" McCloy, geb. 1895 in Philadelphia, hatte einedeutschstämmige Mutter und war über seine deutschstämmige Frau auf komplizierte Weise mit Konrad Adenauer verschwägert Daß er als Hilfskellner und mit Nachhilfestunden sein Studium finanzierte, ist amerikanisch.

Afghanistan: Die blutigen Kämpfe halten unvermindert an

Mit anhaltenden Luftangriffen auf die Dörfer in der näheren Umgebung der afghanischen Hauptstadt Kabul versuchten die Sowjets auch am Dienstag, die am Wochenende begonnene Offensive der moslemischen Widerstandstruppen niederzuschlagen.

Amerika: Fehlalarm im Frühwarnsystem beunruhigt die Bevölkerung

Drei Minuten dauerte es, bis ein blitzschnelles "Abfragen" ausgewählter Sensoren zweifelsfrei ergab, daß die Alarmmeldung von anfliegenden sowjetischen Raketen die Erfindung eines Computers innerhalb der Datenbank der Nordamerikanischen Luftverteidigungszentrale (Norad) gewesen ist.

Iran: Intervention verurteilt

Zum Abschluß der von Ajatollah Chomeini einberufenen Beratung, an der 300 Personen aus 54 Ländern teilnahmen, wurde eine zwölf Punkte umfassende Resolution verabschiedet, in der die "Intervention der USA in die inneren Angelegenheiten Irans, besonders in den letzten 27 Jahren" verurteilt wird.

Keine Atempause für Amerika

Jetzt bedrohen Inflation und Rezession den Lebensstandard – Hilft die Wirtschaftskrise den Republikanern?

Europäische Gemeinschaft: Pariser Eigentor?

Valéry Giscard d’Estaing ist immer für eine Überraschung gut. Plötzliche Kehrtwendungen, seien sie grundsätzlich; oder nur taktisch, sind fester Bestandteil seiner Politik und werden vom französischen Präsidenten mit Vorliebe als Beweis für die nationale Unabhängigkeit seines Landes vorgezeigt.

Die fröhlichen Jungkatholiken

Katharina Schröter gehört zu jenen Berlinern, die eher erleichtert darüber sind, daß die katholische Besetzung ihrer Stadt nun wieder vorbei ist.

Argentinien: Geschöpf des Präsidenten

Es war einmal eine blonde Frau, zärtlich und elegant wie eine Märchenprinzessin." So wurde die legendäre Evita Perón den argentinischen Schulkindern im Lesebuch vorgestellt, Noch heute ist die Frau des ehemaligen Militärdiktators Juan Perón Thema zahlreicher Spekulationen.

Preußen: Der Weg zur Militärmacht

Was ein "Türkenmanöver" oder eine "Knüppelmusik" ist, was eine Kartätsche von einem Schrapnell unterscheidet, wie das Zündnadelgewehr funktionierte und welche Mindestgröße der preußische Rekrut haben mußte: Das sind ein paar beliebig herausgegriffene Details, an denen das Buch "Mit Gott für König und Vaterland.

Jenseits europäischer Deutung

Drei Bücher – drei Annäherungen, neue Versuche, über das Kopfschütteln hinauszukommen, unsere Reaktionen nicht nur als Phänomen dieser Tage, vielmehr als späte und eigentlich notwendige Konsequenz eines historischen Mißverständnisses zu begreifen.

Wenn die Bilder nicht mehr sprechen

Jener Sonntag im April war ein faszinierender Fernsehabend! Wieder einmal – und das ist selten genug – bewies eine Fernsehdokumentation, daß sie über fast zwei Stunden eine spannende, detailbesessene, eine menschennahe, alltägliche Geschichte erzählen kann, überzeugender in der Vermittlung von Wirklichkeit als viele Fernsehspiele.

Loderer kämpft...

Rudolf Judith von der IG Metall brauchte die Auguren nicht zu bemühen. Schon vor der Verabschiedung des Mitbestimmungsgesetzes von 1976 wußte er: "Wenn es uns jetzt nicht gelingt, eine Ausdehnung der qualifizierten Mitbestimmung auf alle Wirtschaftsbereiche durchzusetzen, wird über kurz oder lang aus der Kohle- und Stahlindustrie ein Mitbestimmungsmuseum werden.

Da waren’s plötzlich zwei

Nachdem die Bonner Regierungsparteien wieder einmal ihre Unfähigkeit eingestehen mußten, ihre vermögenspolitischen Versprechungen einzulösen, und die Gewerkschaften ihr Mißtrauen gegen eine betriebliche Gewinn- und Kapitalbeteiligung der Arbeitnehmer bisher nicht überwinden konnten, kommt jetzt wenigstens aus der Wirtschaft ein Lichtblick.

Wilhelm Nölling:: Heißer Sommer für die Finanzpolitik?

Der Hamburger Finanzsenator Wilhelm Nölling zum Streit zwischen Bonn und den Ländern über die Verteilung der Steuereinnahmen, die Notwendigkeit eines Gesetzes-Moratoriums und die Unwilligkeit der Länder, Mitverantwortung für das "Faß ohne Boden" in Brüssel zu übernehmen.

BONNER KULISSE

Zu den politischen Sektoren, in denen während der nun zu Ende gehenden Legislaturperiode des Bundestages fast gar nichts Nennenswertes vorangebracht worden ist, gehört die Wohnungsbaupolitik.

Die Grenzen des Arbeitskampfes

Der erste Senat des Bundesarbeitsgerichts unter Vorsitz von Professor Gerhard Müller hat am Dienstag die Aussperrung von Arbeitnehmern zur Abwehr von Teilstreiks für zulässig erklärt.

Ein Fuhrmann ohne Peitsche

Europas Chefs suchen einen Chef-Europäer. Die Qual der Wahl, die sich die Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft (EG) mit der Ernennung eines neuen Präsidenten für die EG-Kommission am Donnerstag und Freitag dieser Woche auf ihrer Gipfelkonferenz in Venedig vorgenommen haben, ist groß.

Gewinnbeteiligung bei BP: Mit vier Prozent sind sie dabei

Die Kollegen in den Nachbarhäusern werden sich wohl noch ein wenig gedulden müssen, bis ihnen ein ähnliches Angebot gemacht wird", vermutet ein junger Mitarbeiter der BP und deutet dabei auf die in Hamburgs City Nord nur wenige Schritte voneinander entfernten Hauptquartiere der konkurrierenden Mineralölkonzerne.

Börsen-Report: Liebe zu den Favoriten

Die Aktien- und Rentenmärkte sind zur Zeit kräftig, denn sie können einiges an Belastungen aushalten. Die 6,lprozentige Mai-Teuerungsrate, die Sorge, daß die EG-Agrarpolirik die deutschen Preise weiter steigen läßt, die Pause, die ausländische Käufer einlegten, die Tatsache, daß deutsche Bankkunden am Monatsanfang die ausgelaufenen Aufträge nur zögernd erneuerten, Enttäuschung darüber, daß die neue Bundesanleihe über pari ausgegeben wird – das alles führte nur zu einer kurzen Konsolidierungspause.

Ungarn: Realismus kostet etwas mehr

Die Erhöhung der Erdöl- und Erdgaspreise stellt auch die kommunistischen Volkswirtschaften vor Probleme. Einen ungewöhnlichen Weg, damit, fertigzuwerden, hat Ungarn beschritten.

Berlin: Ende auf Raten

Berlins einzige Mittagszeitung scheint nach langer, schwerer Krankheit nun ihrem Ende entgegenzugehen. Die Liquiditätslage des Verlages Der Abend, so heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Geschäftsleitung und Betriebsrat, lasse die Fortführung des Unternehmens nicht mehr zu.

Kreditinstitute: Bankiers auf Abwegen

Der Briefbogen sieht nicht sehr vertrauenerweckend aus. Die Firma nennt sich "International Antilles Bank N. V.". Und unter den Briefkopf wurde wenig akkurat mit Schreibmaschine die Unterzeile hineingetippt: "c/o Dominion Charter Merchants Trust Ltd.

Joghurt-Markt: Phantasie in Bechern

Seit Februar diesen Jahres finden Verbraucher des US-Staates Michigan in den Kühltheken ihrer Supermärkte etwas Neues für ihre Zunge.

ZEITRAFFER

Für die Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke ist es ein "Traumziel": Der Anteil an Mineralöl konnte 1979 – vor allem dank gesetzlicher Vorgaben – auf knapp unter fünf Prozent bei der öffentlichen Stromversorgung in der Bundesrepublik gedrückt werden.

Zinsen bleiben oben

Köhler: In der Bundesrepublik Deutschland steigt die Nachfrage, deutlich sichtbar an den Auftragseingängen in der Industrie, kräftig.

MANAGER UND MÄRKTE

Nun scheint auch bei der traditions- und verlustreichen AEG-Tochter Telefunken das Ende der eigenen Hifi-Produktion in Sicht.

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