Je näher der Termin der Bundestagswahl rückt, desto mehr haben Journalisten in Bonn damit zu tun, allmorgendlich ihre Schreibtische abzuräumen. Es ist kaum zu fassen, wie politische Profilierungssucht im wahrsten Sinne des Wortes zu Buche schlägt.

So findet sich in der täglichen Post unter anderem ein Buch mit den Reden Bundeswirtschaftsministers Josef Ertl von den Anfängen der sozialliberalen Koalition bis heute. Nichts, aber auch gar nichts wird einem da erspart – und das Buch wird obendrein noch als "Zeitdokument" angepriesen.

Das Ernährungsministerium hat das Œuvre gleich in 2000 Exemplaren bestellt und dafür – auf Kosten des Steuerzahlers. der dafür aber gewiß Verständnis aufbringen wird – 20 900 Mark bezahlt. Doch damit nicht genug: Einige weitere 1000 Exemplare werden zusätzlich feilgeboten und wohl auch verkauft. Der Verdacht, daß auch dabei wieder Steuergelder im Spiel sein könnten, und sei es aus Parteikassen, ist wohl nicht abwegig.

Verleger dieses Buches ist ein Bonner namens Pit Reichardt, der sich außerdem als Immobilienmakler betätigt und Wohnungssuchenden in der Bundeshauptstadt als "Immopit" geläufig ist. In einer weiteren Eigenschaft als Autoverleiher nennt er sich "Autopit". Zur Erläuterung seines verlegerischen Tuns berichtet dieser Bücherpit, er habe auch die Reden vieler anderer Politiker in Büchern zusammengefaßt, "von Adenauer bis Wehner, von Brandt bis Strauß".

Selbst vor der Publikation von Hinterbänkler-Reden wie denen der Ex-Abgeordnetcn Albert Leicht und Jürgen Wohlrabe schreckt der gute Mann nicht zurück, und das macht die Sache nur noch schlimmer.

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In der Reaktion auf den Vorschlag des Sparkassen-Präsidenten Helmut Geiger, die Spar-, Bauspar- und Wohnungsbauförderung einzuschränken, hat sich gezeigt, daß Politiker und Öffentlichkeit in den vergangenen fünf Jahren klüger geworden sind. Diesmal nämlich war die Reaktion gelassen, fast schon gleichgültig.