Noch vor gut fünf Jahren aber, im September 1975, wurde der damalige Präsident der sogenannten Sparerschutzgemeinschaft, Ludwig Poullain, schier in der Luft zerrissen, weil er es gewagt hatte, ebenfalls an der Sparförderung herumzumäkeln, da doch insofern gleichen sich die Zeichen – die staatlichen Haushalte in Ordnung gebracht werden müßten.

Zunächst gab damals nur kurze Zeit später die Sparerschutz-Gemeinschaft – sie ist eine Organisation der kreditwirtschaftlichen Verbände – eine weitere Stellungnahme heraus, in der sie zunächst so tat, als wolle sie das Petitum ihres Präsidenten bekräftigen: Natürlich dürfe der Sparwillen des Staates vor nichts Halt machen.

Sodann aber wurde auf die umwerfende "gesellschafts- und vermögenspolitische Funktion" der Spar- und Bausparförderung hingewiesen. Der Leser wußte, was gemeint war: Poullain wurde zurückgepfiffen. Ähnlich verfuhr damals, wiederum wenige Tage später, Bundeskanzler Helmut Schmidt, als er im Bundestag Poullain so scharf attackierte, als habe der zum Vatermord ermuntert.

Diesmal aber war von all dieser Politik nichts mehr zu hören. Einige Bauspar-Geschäftsführer sollen, so heißt es, in dumpfem Grimm vor sich hingemurmelt haben. Einer dieser Herren, Alfred Roher von den zu den Sparkassen gehörenden Landesbausparkassen, arbeitet sogar mit Geiger unter einem Dach; solch vereinzelter Unmut aber ist nicht bis an die Öffentlichkeit gedrungen.

Diese Ruhe läßt eigentlich nur einen Schluß zu: Spar- und Bausparförderung werden schon bald nach der Wahl zurechtgestutzt. Immer mehr Politiker sehen ein, daß sie unsinnig ist, weil Geber und Empfänger weitgehend identisch sind. Und Finanzminister Hans Matthöfer hat sie ohnedies noch nie gemocht. Er hätte es also, würde er nach dem 5. Oktober in seinem Amt bestätigt, leicht, seinem Unwillen freien Lauf zu lassen.

Auch in Bonn gehen die Meinungen über den künftigen Präsidenten der Europäischen Kommission noch auseinander. Der Bundeskanzler, der den selbstsicheren luxemburgischen Außenminister Gaston Thorn ungern als Nachfolger von Roy Jenkins sähe, favorisiert den Italiener Maria Enrico Pandolfi mit der Begründung, ein Finanzexperte sei der richtige Mann, da in den nächsten Jahren die Finanzen der EG geregelt werden müßten. Bundesaußenminister Hans-Dietrich. Genscher teilt diese Meinung Schmidts, zieht daraus aber andere Schlüsse. An die Spitze der Kommission gehöre ein Politiker, der/die Finanzreform mit politischem Fingerspitzengefühl einfädelt. Der richtige Mann sei deshalb sein Parteifreund Gaston Thorn.

Dieter Piel