Von Dinah Deckstein

Der Präsident des schweizerischen Gewerkschaftsbundes spricht schlicht von einem "sehr unfreundlichen Ereignis". Nach Ansicht von Nationalrat Helmut Hubacher, Präsident der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SPS), handelt es sich um einen "dicken Hund". Und die Kollegen von der Freisinnig-Demokratischen Partei (FDP) wittern eine Dolchstoßlegende, denn nach ihrer Meinung haben die Schweizer Großbanken mit ihrem jüngsten Beschluß, die Zinsen für Hypotheken anzuheben, Nationalbankpräsident Fritz Leutwiler eindeutig "in den Rücken geschossen".

Tatsächlich hatte der Chef der obersten eidgenössischen Währungsbehörde in den letzten Wochen wiederholt öffentlich erklärt, daß er "keinen Anlaß" sähe, die Hypothekenzinsen in diesem Jahr nochmals zu erhöhen, nachdem sie erst Anfang April um ein halbes Prozent heraufgesetzt worden waren.

Das Zürcher "Bankenkartell" – gemeint sind damit im allgemeinen die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG), die Schweizerische Creditanstalt (SCA) und der Schweizerische Bankverein (SBV) – war jedoch offensichtlich anderer Ansicht. Obgleich die "Großen Drei" – allesamt auf eines der besten Jahre in ihrer Geschichte zurückblicken können, beschlossen sie Anfang Juni zusammen mit der schweizerischen Volksbank, die Hypothekenzinsen zum Herbst erneut um ein halbes Prozent heraufzusetzen.

Der Beschluß erfolgte just zu einem Zeitpunkt, da die Nationalbank die Weichen ganz auf Inflationsbekämpfung gestellt hat. In diesem Jahr ist nämlich die Teuerung auch in der Schweiz wieder stärker auf Trab gekommen. Gegenüber dem Vorjahr ist das Leben in der Schweiz um 4,3 Prozent teurer geworden.

Die Anhebung der Hypothekenzinsen könnten den Preisen zusätzlich kräftigen Auftrieb geben, da sich dadurch die Mieten als wichtiger Bestandteil des Index merklich erhöhen dürften. Denn bei einem weitgehend ausgetrockneten Wohnungsmarkt können die Zinserhöhungen im allgemeinen reibungslos auf den Mieter überwälzt werden. Da zudem die Löhne weitgehend indexiert sind, hält der Nationalbankpräsident den durch die Zinserhöhung ausgelösten Teuerungsschub für "irreversibel".

Als Rechtfertigung für ihren "Tritt ins Fettnäpfchen wie die FDP den jüngsten Beschluß der Banken wertet, führen die "Gnomen" aus Zürich den gedrosselten Zufluß von Spargeldern an, eine der wichtigsten Finanzierungsquellen für Hypotheken. Bei einem Zins von gerade zweieinhalb Prozent für Sparguthaben und einer Inflationsrate von über vier Prozent ist es den Schweizern freilich nicht zu verdenken, wenn sie sich nach einträglicheren Anlageformen umsehen.