Von Herfried Münkler

Nicht selten haben subjektiv eingefärbte Autobiographien von Beteiligten mehr Einblick in politische Entwicklungen und Strukturen erbracht, als dies objektive Darstellungen von Außenstehenden je vermocht hätten. Zwei Bücher aus dem Kreis derer, die in den siebziger Jahren mit Gewalt und Terror politische Veränderungen erzwingen wollten, haben dies jetzt wieder bestätigt:

Hans-Joachim Klein: „Rückkehr in die Menschlichkeit. Appell eines ausgestiegenen Terroristen“; Rowohlt Verlag, rororo-aktuell; Reinbek 1979; 331 S., 7,80 DM

und

E. W. Pless: „Geblendet. Aus den authentischen Papieren eines Terroristen“; Schweizer Verlagshaus, Zürich 1979; 382 S., 29,80 DM.

Man muß die autobiographischen Berichte von Klein und Pless gegen den Strich lesen, um unter ihrer teils selbstrechtfertigenden, teils pathetischen, teils von professioneller Feder geglätteten Oberfläche die entscheidenden Aussagen zu finden. Verbleibt man an der Oberfläche, so handelt es sich bei Pless’ Bericht nur um die spannende Beschreibung einer modernen Odyssee und bei Kleins Appell um eine von Eitelkeit überfrachtete Selbstdarstellung eines zweimal „Ausgestiegenen“. Gegen den Strich gelesen, bieten die beiden Berichte jedoch einen Einblick in die innere Struktur und Dynamik terroristischer Personen und Gruppen, hinter dem die meisten der „objektiven“ Darstellungen zurückbleiben.

Hans-Joachim Klein, ehemaliger Angehöriger der „Revolutionären Zellen“, wurde Ende des Jahres 1975 bekannt durch seine Beteiligung an dem Überfall auf die Opec-Zentrale in Wien und die Geiselnahme der arabischen Erdölminister. Seit 1976 jedoch ging er immer mehr auf – zunächst innere – Distanz zur Praxis der Gewalt und des Terrors. Diese „Konversion“ wurde schließlich in seiner zur Veröffentlichung bestimmten Warnung vor einem Attentat auf Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Berlin auch nach außen deutlich. Seitdem lebt er in ständig wechselnden Verstecken – in der doppelten Angst vor dem Zugriff der staatlichen Fahndungsbehörden und vor der Rache seiner einstigen Gefährten.