Ein Rohstoffspezialist eines New Yorker Brokerhauses vermutet, daß die Hunts bei ihrer Silberspekulation zwischen 350 und 450 Millionen Dollar verloren haben. Gemessen an ihrem Vermögen, das auf mehrere Milliarden geschätzt wird, wären das zwar kleine Fische. Doch die Verluste waren groß genug, um die Hunts in erhebliche Zahlungsschwierigkeiten zu bringen. Denn als der Silberpreis nach oben schnellte, wuchs den Hunts dank ihrer Schätze zusätzlicher Spielraum für Kredite zu, den sie bis zur Neige ausschöpften – zum Beispiel, um neues Silber zu kaufen. Das Ergebnis sind jetzt gewaltige Schulden. Die Banken haben einen großen Teil ihres Vermögens gepfändet – einschließlich persönlicher Wertgegenstände, wie Bunker Hunts Sammlung von Vogelstatuen, den Mercedes seines Bruders und den Nerzmantel einer Hunt-Ehefrau.

Der Kuckuck auf ihrem Vermögen schränkt den Spielraum der Texaner erheblich ein. Sie, die auf Unabhängigkeit pochenden Milliardäre, sind über Nacht Marionetten der Banken geworden. Ein Beispiel: Nachdem sie sich mit dem Rohstoffkonzern Engelhard Minerals and Chemicals Corp. darüber geeinigt hatten, 20 Prozent ihrer Bohrrechte in der kanadischen Beaufort Sea zur Begleichung von Schulden in Höhe von 400 Millionen Dollar abzugeben, mußten sie bei der First National Bank of Chicago um Erlaubnis fragen; denn die Bohrrechte waren bei der Bank schon verpfändet.

  • Die Hunt-Brüder mußten Schuldscheine und Forderungen in Höhe von 300 Millionen Dollar abtreten. Die Hunts sind offensichtlich geradezu eine Bank für sich, wobei sie nicht knauserig sind mit Krediten an ihre Familienmitglieder. Bunkers Tochter Elisabeth beispielweise schuldet ihrem Vater 62 Millionen Dollar.
  • Ihr Ihr Grundbesitz ist über ganz Amerika verstreut. Verpfändet haben sie Bauerwartungsland in Texas und Alaska, Baumwollplantagen in Mississippi und Pinienwälder in Florida.
  • Zu den Kunstgegenständen, die sie den Banken als Sicherheit überließen, gehören römische, griechische und byzantinische Vasen und Statuen, Bilder des amerikanischen Landschaftsmalers Thomas Moran und seltene Münzen – aus Silber.
  • Bunker Hunts Rennpferde bürgen nun auch für die Schulden ihres Besitzers. Hunts Rennstall ist einer der größten der Welt und besteht aus 500 erstklassigen Pferden, die bizarre Namen tragen – wie "Milliardär", "Reichtum", "Silbermünze", "Sei kühn", "Groschen gesucht", "Geld zum Verbrennen".
  • Das Öl- und Gasvorkommen im Besitz der Hunts ist das Fundament ihres Imperiums. Der. Wert ihrer Bohrrechte in sämtlichen Erdteilen läßt sich nicht einschätzen. Die Rechte sind ausnahmslos verpfändet. Das gleiche gilt für die Kohlefelder in Nord-Dakota und Montana.
  • Die Farmen und das Weideland der Hunts in Texas und anderen US-Bundesstaaten sowie in Australien sind allesamt maximal mit Hypotheken belastet – genau wie ihre Getreidevorräte und die 75 000 Stück Vieh, die sie auf den beiden Kontinenten grasen lassen.

All diese Besitztümer riskierten die Brüder Hunt, weil sie der felsenfesten Überzeugung waren, daß sie durch massive Silberkäufe den Preis des Metalls in wenigen Jahren auf 300 Dollar pro Unze herauftreiben könnten. Ähnliche Versuche, den Silbermarkt unter Kontrolle zu bringen, hat es mehrere gegeben. Beispielsweise kaufte der indische Spekulant Chunilal Saraya zwischen 1910 und 1923 dreißig Millionen Unzen auf. Wie alle anderen scheiterte er daran, daß – wie es an der New Yorker Börse heißt – "niemand größer ist als der Markt".

Jes Rau