Der prächtige Rahmen genügte der Würde des Herrschers aus dem Morgenlande, die Breite der Gespräche entsprach der Bedeutung seines Landes. Der Staatsbesuch; den König Chalid von Saudi-Arabien in dieser Woche der Bundesrepublik abstattete, zählt nicht zu den protokollarischen Routineereignissen. Die überlappenden Interessen beider Staaten haben vielmehr genügend Anlaß zu nutzbringenden Sachgesprächen geboten.

Gerade in der gegenwärtigen Situation können sich Saudi-Arabien und die Bundesrepublik gegenseitig viel geben. Das arabische Königreich bietet Öl und einen reichen Markt, auf dem in den nächsten fünf Jahren über 500 Milliarden Mark investiert werden; es sucht technisches Wissen und politisch stabile Partner. Die Bundesrepublik braucht verläßliche Ölquellen und Absatzchancen für ihre Industrieproduktion, sie kann fortgeschrittene Technologie und eine politische Stimme mit Resonanz offerieren. Wie weit sich die Möglichkeiten des bilateralen Gebens und Nehmens erstrecken, bewies die mitgliederstarke Ministerriege, die den Potentaten begleitete.

Die Ergebnisse der Verhandlungen reichen von den Maßnahmen zur verstärkten wissenschaftlichen Zusammenarbeit bis zum Angebot deutscher Ausbildungsbeihilfe für die königliche Armee. Eine mindestens ebenso wichtige Rolle wie die Vertiefung der zweiseitigen Beziehungen spielte beim Besuch jedoch der Austausch beider Seiten über die internationale Lage. In Bonn und Riad grassiert die Krisenangst. Weil seinem Land Gefahren nicht nur von draußen, sondern auch im Innern drohen, hat der König wahrscheinlich mehr Grund zur Sorge als der Kanzler.

Die Nahost-Erklärung der Neun hat die Saudis nach eigenen Bekundungen ihrem dringlichsten Wunsch, der baldigen Regelung des Palästinenserproblems, nicht nähergebracht. Am europäischen Willen, sich stärker an der Beilegung der nahöstlichen Krise zu beteiligen, wird König Chalid aber nach, seinem Deutschlandbesuch nicht mehr zweifeln. Schließlich konnte Bonn dem Herrscher noch einmal einleuchtende Motive für das Engagement unterbreiten: Europas Bemühungen um den Frieden und um eine gesicherte Ölzufuhr. D. B.